Die besondere Widerwärtigkeit

Wenn der Anschlag in Berlin von einem als Flüchtling getarnten Djihadist begangen wäre, so wäre dies nach der Verlautbarung Merkels „besonders widerwärtig gegenüber den vielen Deutschen, die tagtäglich in der Flüchtlingshilfe engagiert sind […] und gegenüber den vielen Menschen, die unseren Schutz tatsächlich brauchen und sich um Integration in unser Land bemühen.“

Das ist zunächst eine Projektion und dann eine Drohung. Eine Projektion, weil den Helfern im Moment vor allem die Abschiebungen nach Afghanistan die Luft zum Atmen nehmen. Vor Ekel. Die dreifache Weigerung der repräsentativen Demokratien, Flüchtenden zu helfen, setzt die Maßstäbe für die Skrupellosigkeit des Kommenden. Weder hilft man den Menschen, in ihren Häusern bleiben zu können, noch hilft man ihnen, menschenwürdig daraus zu entfliehen, noch hilft man ihnen irgend angemessen, wenn sie das gegen alle Widerstände geschafft haben. Nun schafft man auch noch jene aus dem Land, die in Afghanistan täglich unter eben jenem widerwärtigen Terror leiden werden. Man hat also schon genug Widerwärtiges zu erdulden als Helfer. Dass sich Merkel, die organisierende Hand solcher Abschiebungen in den Terror, die Architektin des Deals mit der Türkei, wieder einmal als moralische Instanz ankumpelt ist mehr als übergriffig.
Es ist eine drohende Ankündigung. Die Sprache evoziert deutlich einen unheilsschwangeren Futur. Offen bleibt, was denn genau widerwärtig werden wird. „Dann wäre das besonders widerwärtig.“ Natürlich weiß man, dass in einem Rechtsstaat ein Mensch, der Schutz braucht auch ohne sich um Integration zu bemühen und ungeachtet jeder Terroranschläge durch Menschen, mit denen er zufällig die Nationalität teilt, seiner Rechte versichert sein darf.  Dass also niemandem aus Eritrea oder Pakistan der Anschlag dadurch widerwärtiger wird, dass der Täter ein Syrer, Deutscher, Pakistani oder Eritreer ist.

Aber es wird und muss widerwärtig werden. Widerwärtig wie die Verwundbarkeit der Flüchtenden, dass man sie weiter physisch angreifen wird wie man sie ja schon zum Abschuss durch türkische und libysche Grenzwachen freigegeben hat. Wenn der Täter ein Flüchtling ist, wird die Fraktion der Widerwärtigkeit in der CDU/CSU weiter Blut lecken und Abschiebungen nach Syrien oder Eritrea werden ebenso zugelassene Realität wie aktuelle Abschiebungen ins Kriegsland Afghanistan. Und wieder einmal wird es die „Mutter Theresa Europas“, Dr. Angela Merkel, sein, die leider, leider trotz ihrer unangefochtenen Machtposition, nichts gegen solche fortschreitenden Widerwärtigkeiten tun kann.

One thought on “Die besondere Widerwärtigkeit

  1. Deine Prangerschriften gegen die deutsche Asylpraxis klängen weniger hohl, wenn Du ab und an Argumente dafür liefern würdest, dass Immigration gleich welcher Art langfristig nicht zum Nachteil für das Land würde. Sowohl die USA als auch Frankreich haben ihre Immigrationspolitik mit dem permanenten Ausnahmezustand und der Errichtung massiver Überwachungsinfrastruktur bezahlt, und auch in Deutschland wurde immigrationsbedingt in den letzten 15 Jahren ein Sicherheitsgesetz nach dem anderen durchs Parlament gebracht, was auch künftig nicht aufhören wird. Das Freiheitsversprechen des Westens hat dadurch massiv an Glaubwürdigkeit eingebüßt; in meinen Augen sogar sämtliche. Mir ist schleierhaft, warum dieser Aspekt unter Linken aller Art, die ja früher noch gegen Dinge wie die Notstandsgesetze auf die Straße gingen, totgeschwiegen wird. Wie will man denn jemandem die Werte der Verfassung nahebringen, während man sie gleichzeitig aushöhlt?

    Und dann ist da noch ein Punkt: Ich war früher einer permissiven Immigrations- und Asylpolitik gegenüber aufgeschlossen, bin es aber nicht mehr. Der Grund für meinen Sinneswandel liegt darin, dass ich nicht das Gefühl habe, dass Menschen mit nichteuropäischem Migrationshintergrund sich aufklärerisches Denken auf dieselbe Weise zu eigen machen, wie Du und ich das tun. Ihr Aufklärungsverständnis ist meinem Eindruck nach durchweg verfälscht. Auch die Zustände an amerikanischen Universitäten und die wachsende unverhohlene Weißenfeindlichkeit, die dort unter dem Banner der Emanzipation zelebriert wird, sind für mich ein Indiz dafür, dass der Funke der Aufklärung nicht ohne weiteres auf Nichteuropäer überzuspringen vermag, auch wenn ich über die Gründe dafür nur spekulieren kann. Deswegen bin ich nicht mehr der Ansicht, dass so etwas wie aufklärungserhaltende Integration überhaupt möglich ist.

    In einem Kommentar zu „Why Merkel really is wrong about Trump“ schriebst Du:

    Wenn Europa mit all seinen Mitteln nicht einmal eine Million Flüchtlinge […] aufklären kann, dann wird es eher über kurz als lang ohnehin von der Außenwelt verschlungen, die es dann erst recht nicht aufklären kann oder will.

    Wie soll Europa das eigentlich machen? Aufklärung ist nichts, das einem von außen übergestülpt werden kann, sondern das von selbst zu keimen beginnt. Man kann vielleicht durch Erziehung so etwas wie gute Keimbedingungen schaffen, aber mehr auch nicht, und diese Aufgabe obläge den Eltern, nicht dem Staat. Wer keine intrinsische Motivation aufbringt, auf das Leuchtfeuer der Aufklärung zuzurudern, den wird man durch nichts dazu animieren können. Die Tatsache, dass der Islam von heute reichlich Gelegenheit hatte, sich gegen aufklärerische Angriffe zu immunisieren, macht es nicht einfacher. Ich frage mich daher, worin Dein Aufklärungsoptimismus begründet ist, denn ich sehe hier keinen Grund für Optimismus.

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