Zum Engagement der Linkspartei gegen Filme in denen Deutsche sterben

Eine „seltene Dummheit und Geschmacklosigkeit“ nannte der Bundessprecher der Linkspartei, Hendrik Thalheim, einen Facebook-Eintrag von Sarah Rambatz. Geschmacklosigkeit, das ist eines der verräterischen, euphemistischen Anstandswörter, an denen man eine bigotte Position erkennt.

Sarah Rambatz (24) aus Hamburg hätte es riechen müssen. Man kann in Deutschland von durchrasster Gesellschaft sprechen, aber: don’t mention the war. Sie wollte von ihren Twitterfreundinnen und -freunden „antideutsche Filme“, in denen „Deutsche sterben“. Unter Filmwissenschaffenden, die weitaus rüderere Genrebildungen gewohnt sind, würde nun einfach gesammelt: Inglorious Bastards, Inglorious BastErds, Iron Sky, Defiance, Raiders of the lost Ark, Captain America, The Rocketeer, X-Men First Class, Enemy at the Gates, etc. pp.
Filmwissenschaffende würden auch darauf verweisen, dass die korrekte Genrebezeichnung eher „Nazi-punching“ lautet, als „Filme, in denen Deutsche sterben“. Aber im Prinzip läuft es auf dasselbe hinaus.

Was überparteilich abgewehrt wird, ist die alte Kollektivschuld. Von „Deutschen“ zu sprechen, und damit Nazis zu meinen, ist die eigentliche Tabuverletzung. Die spezifische Abwehr der Linken ist hingegen schlichtweg Projektion. Erinnern wir uns: Oskar Lafontaine hatte vor „Fremdarbeitern“gewarnt – ohne auf Kandidaturen verzichten zu müssen. Das Wort „Fremdarbeiter“ wurde von historischen Nazis verwendet, um Zwangsarbeit zu verharmlosen. Nun wird es von Oskar Lafontaine in der Gesinnung der aktuellen Nazis verwendet, um weiße Arbeiter aufzuputschen gegen ihre Konkurrenten, die ihnen die Arbeitsplätze „wegnehmen„. Seine Genossin, Sahra Wagenknecht, schlägt in die gleiche Bresche: „Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht dann eben auch verwirkt.“ Als wäre das Asylrecht ein „Gastrecht“. Inge Höger und Annette Groth ließen sich mit einem Schal fotografieren, auf dem Israel in ein „Palestine from the River to the Sea“ verwandelt wurde. Christine Buchholz unterstützte die Teilnahme von Linken an der Gaza-Flotilla. Und Wolfgang Gehrke lieferte in Buchform die zusammenhangslose Leugnung dieses Antisemitismus in der Linken ab.

Das „kalte Kotzen“ will der Spitzenkandidat Fabio de Masi aber erst bei Rambatz‘ Tweet bekommen haben. Eine Karte, deren Aussage die Forderung nach 6,5 Millionen toten israelischen Juden ist, eine Bootsfahrt mit den Leuten, die das in terroristische Praxis umsetzen, Agitation mit Nazipropaganda an der Parteispitze, das alles führt nicht zu Aufständen der Basis – aber eine aussichtslose Kandidatin darf ihre wie auch immer zu analysierenden Rachephantasien gegen Deutsche nicht tweeten. Das ist die Realität der Linkspartei und der einzige Vorwurf, der Rambatz zu machen ist: Dass sie dachte, man könne in einer Linkspartei mitmachen, die es auch nach Jahrzehnten nicht geschafft hat, rudimentäre zivilisatorische Schranken wenigstens für die Parteispitzen aufzurichten. Die sexuelle Gewalt, die Rambatz nun von rechten Trolls erfährt, ist Resultat der breiteren Vergesellschaftlichung solcher Schrankenlosigkeit ebenso wie der Solidaritätsentzug, den sie von der Linkspartei erfahren hat.

4 thoughts on “Zum Engagement der Linkspartei gegen Filme in denen Deutsche sterben

  1. Nur, damit es nicht auf mich zurückfällt: mein Text ist zeitlich vor diesem entstanden und das Original.

    „Unter Cineasten gibt es schon länger das Genre »Nazi-Punching«: Es handelt sich hierbei um Filme, in denen Nazis – oft brutal, manchmal witzig – umgebracht werden. Die Satire »Iron Sky« oder Quentin Tarantinos »Inglourious Basterds« sind bekannte Beispiele. Letzterer war sogar für acht Oscars nominiert und in Deutschland ein Kassenerfolg. Soweit, so harmlos.

    Der aktuelle »Skandal« besteht vermutlich aber vielmehr darin, dass Rambatz statt dem Wort »Nazis« eben »Deutsche« gesagt hat.“

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1063145.wahlkampfopfer-rambatz.html

  2. Gut zusammengefasst und auch gut in Relation gesetzt. Es ging jedoch nicht um einen Tweet, sondern um einen Post innerhalb einer geschlossenen FB-Gruppe. Was das ganze noch absurder macht. „Von „Deutschen“ zu sprechen, und damit Nazis zu meinen“ ist innerhalb dieser Gruppe absolut kein Skandal.

  3. Wer seine eigenen moralischen Ansprüche nicht auf seine eigenen politischen Absichten anwenden will, weiß schon warum.
    Mordphantasien bleiben Mordphantasien, auch wenn sie in der „Jungleworld“ zu „nicht realen“ Mordphantasien zurecht gebogen werden.

    Das Dumme an der Aussage Filme empfehlen zu wollen, in denen „Deutsche sterben“, verrät bloß dass man nicht Mord und Mordphantasie als solche ablehnt, sondern nur das jeweilige Ziel und damit ein bestimmtes ressentim3ent unterstützt oder nicht.

    Wer glaubt auf die selbstkritische Reflexion verzichten zu können, und die eigenen Worte nicht genau so behandelt wie die Worte derer die man für Feinde hält, ist ein stalinistischer Drecksack.

  4. Sehr geehrter Herr Molnar,

    Sie haben völlig recht, eine Mordphantasie unterscheide ich nach ihrem Zweck. Will sie sich in Tat umsetzen? Will sie eine schwächere Minderheit schon einmal virtuell verfolgen?
    Oder ist sie Kompensationstrategie einer marginalen Minderheit IN einer und gegen eine absolute Mehrheit ohne Aussicht auf Erfolg?
    Wünscht sich ein Antifaschist den Tod von Nazis nachdem diese den Krieg gewonnen haben? Oder wünschen sich Nazis den Tod von Juden und Antifaschisten?
    Der Unterschied ist einer ums Ganze.

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