Fußnote zu Thomas Maul

Die wesentlichen Argumente zu Mauls AFD-Like wurden hinreichend in diesem Link vorgelegt:

Gepostet von StuRa Uni Leipzig am Donnerstag, 24. Mai 2018

 

Die Reaktion Mauls darauf ist ausschließlich Polemik. Unter anderem wehrt er die Akteure „Die Falken“ und „Naturfreunde“ als „langweilig“ und „öde“ ab.

 

 

Dem Vorwurf der Langeweile misstrauisch zu begegnen, sollte erste Übung in Kritischer Theorie sein, die den Antiintellektualismus in solchem Klamauk im Dienste der Abwehr von Kritik erkennt. Nicht zur Gleichsetzung, sondern zur freundlichen Ermahnung daran, in welche Gesellschaft sich solcher blökende, instrumentelle Spott über die Langeweile begibt, dieses Zitat:

„Derber Humor wurde zur scharfen Waffe der Nazis im Ringen mit der Republik. „Mit schallendem Gelächter haben wir ein ganzes System niedergespottet“, bilanzierte 1937 der junge Chefredakteur des SS-Zentralorgans „Das Schwarze Korps“, Gunter d’Alquen.
Goebbels vertrat die Devise: „Klamauk muss sein.“ Bei der Aufführung des pazifistischen Spielfilms „Im Westen nichts Neues“ am 5. Dezember 1930 im „Mozartsaal“ am Nollendorfplatz setzten SA-Leute im Publikum weiße Mäuse aus. Zuschauerinnen kreischten, bis die Vorführung unter dröhnendem Gelächter der SA-Männer abgebrochen wurde. Goebbels saß im Publikum.
Seine Strategie der Provokation begründete er damit, man könne den Nazis vieles vorwerfen, doch nicht, dass sie langweilig seien.“ http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelgeschichte/d-88536783.html

 

Auch wenn große Teile der Gegnerschaft zu Maul sich tatsächlich an seiner islamkritischen Position stören, reduzieren seine „solidarischen“ Verteidiger Kritik an ihm darauf. Gegnerschaft hat Maul aber diesmal nicht erfahren, weil er den Koran richtigerweise als Grundlage einer Kritik des Islam nahm, oder weil er einmal die unbedingte Solidarität mit Israel forderte. Gegnerschaft hat er von Gruppen und Personen erfahren, denen sowohl Islamkritik als auch Solidarität mit Israel gewiss keine Fremdworte sind, weshalb er eingeladen wurde. Die Solidarisierung mit der AFD hatte eine Vorgeschichte, die an anderer Stelle diskutiert wird. Wer Thomas Maul (oder auch Justus Wertmüller, Clemens Nachtmann, Magnus Klaue, Sören Pünjer, Felix Perrefort) 2018 noch einlädt und sich überrascht gibt über AFD-positive Äußerungen vor dem Vortrag, dem kann man zumindest Naivität oder Lesefaulheit vorwerfen. Nichts, was Maul zur AFD von sich gab, steht in Widerspruch zu den Ausgaben der Zeitschrift „Bahamas“ der letzten Jahre. Als spezifischen „Absturz“ – es war eher eine sanfte Landung nach langem Sinkflug am angekündigten Ziel – gab Thomas Maul allerdings dies von sich:

 

 

Was immer man von dem Begriff „barbarische Regression“ halten mag: hier spricht zunächst das Kapitalverhältnis aus Maul.  Die „Karriere“ von Individuen wird als höherer Wert gesetzt als das dazu „in Verhältnis“ niedriger erachtete Bedürfnis, über Übergriffe zu sprechen. Vermutlich war es eben die gleiche ökonomische Abwägung Roches, den Vorfall so lange nicht zur Anzeige zu bringen. Sie stufte es als unangenehme Bagatelle ein und sagt das auch so. Suspendiert wurde Gebhard Henke aber nicht aufgrund ihres Berichtes alleine, sondern weil sechs Frauen etwas Ähnliches berichteten. Nun kann man darin eine Verschwörung vermuten – dafür sollte man dann aber als zivilisierter Autor auch ein paar Argumente und Hinweise haben. Es gehört aber unabhängig davon einiges an Wahn dazu, anzunehmen, dass im Umgang mit Henke „barbarische Regression“ stattfände. Vielmehr zeugen die Reaktionen von relativ routinierten, kühlen institutionalisierten Prozessen, wie sie gerade Kennzeichen von demokratischen Institutionen sind. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Freundinnen und Freunde von Henke solidarisierten sich öffentlich mit ihm und gaben unter dem Vorzeichen eines letzten Zweifels ihre eigene Menschenkenntnis zur Person zu Protokoll – was allseits abgedruckt und erwähnt wurde. Der Vorsitzende war weit davon entfernt, sich nur dem Druck barbarischer Horden zu unterwerfen.

„WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn zeigte sich gegenüber dem Spiegel „überrascht“ von den Anschuldigungen. Er arbeite seit Jahren „sehr eng und vertrauensvoll“ mit Gebhard Henke zusammen. Eine Entlastung von den Vorwürfen schließe er nicht aus, allerdings halte er die Schilderungen der Frauen für „gravierend und glaubwürdig“.“ (Zeit)

 

Soviel zur Zivilisation und Verhältnismäßigkeit. Was aber zu Maul? Ist sein Verhalten „verhältnismäßig“? Er will Roche, weil sie ihr demokratisches Recht auf Redefreiheit genutzt hat, „auf der Anklagebank“ sehen. Nehmen wir an, Roche und die anderen fünf Frauen sind tatsächlich sexuell belästigt worden, wogegen Maul keine Indizien oder Argumente vorlegt. Wäre es „verhältnismäßig“, sie dafür vor Gericht zu bringen? Ist es zivilisatorisch, wenn Frauen, die über ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung sprechen, dafür auf die „Anklagebank“ wandern, weil „Ruf und Karriere“ eines Mannes geschädigt wurden – mutmaßlich von diesem selbst?
Das ist nicht zivilisatorisch, sondern genau das, was Maul in einem seiner besseren Bücher als schariatisches Prinzip kritisiert: Solange der öffentliche Schein eines frommen Kollektivs gewahrt ist, sind die tatsächlichen Vergehen egal.

Zur Publikation seiner Phantasie von sechs Frauen auf der Anklagebank auf Facebook gehörte ein Gutteil Berechnung auf die „Regression“ seines Publikums. Hier geht es nicht mehr darum, in einem zweifelhaften Fall das Prinzip „in dubio pro reo“ zu verteidigen oder den Rückfall von linker Szenejustiz und ihrem mackerhaften, weil löchrigen Versprechens des Opferschutzes hinter bürgerliche, leider in Sachen Sexualstrafrecht ebenso „löchrige“, Justiz zu kritisieren. Hier geht es Maul darum, Menschen, die aller Wahrscheinlichkeit nach wirklich sexuelle Belästigung im wirklich klassischen Sinne (Anfummeln in öffentlichen Situationen unter Ausnutzung der eigenen Machtsituation) erfahren haben, virtuell „auf die Anklagebank“ zu bringen. Und das ist nicht die Verteidigung bürgerlichen Rechts, das ist Abstellen auf autoritäre Strafgelüste des Mobs. In der Terminologie Mauls: „barbarische Regression“.

3 thoughts on “Fußnote zu Thomas Maul

    • Die Forderung, statt Texte zu schreiben sich endlich eine Arbeit zu suchen, ist an Antiintellektualismus kaum zu überbieten und offenbart nur das eigene Strafbedürfnis.

      • Arbeit als Strafe aufzufassen, darauf kann nur ein Schwerstgestörter kommen. Vermutlich aber ist tatsächlich erst einmal eine psychiatrische Behandlung beim Riedel notwendig, bevor man ihn in das Leben, das er fürchtet, entlässt.

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