Vom Zwang zum Urteil – Beckers notorisch antiisraelische Konfliktanalyse

Der jüngste Schlag der israelischen Armee gegen die Hamas schreit natürlich nach einer Analyse durch einen offiziellen Konfliktforscher. Der oberhessischen Presse lag in der Vergangenheit stets eine Adresse nahe: Johannes M. Becker. Dieser Unterzeichner des berüchtigten „Manifest der 25“ verfasste auch prompt einen Kommentar, der einer überregionalen Leserschaft nicht vorenthalten werden soll. Unter der Überschrift „Der Nahe Osten wieder im Krieg“ (Oberhessische Presse 29.12.2008, S.14) klappert es, dass es nur so eine Art hat:

„Nun hat die Regierung Israels zum wiederholten Male gewaltige militärische Angriffe mit hohen Opferzahlen gegen die Hamas-Bewegung gestartet. Die Behauptung des von Korruptionsskandalen geschwächten Regierungschefs Olmert, der sich nur mangels politischer Alternativen im Amt hält, er führe nur Vergeltung gegen die Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen durch, ist nicht haltbar. Zu oft wurde in den vergangenen Monaten das Ziel genannt, die demokratisch gewählte Hamas-Regierung zu vernichten.“

Die altbekannten Wehrformeln wollen ans Licht: die demokratische Wahl soll der nazistisch-islamistischen Hamas den Ruch von Opfern geben, als „Bewegung“ hat sie ganz anders als die „Regierung Israels“ sowieso einen Vertrauensvorschuss. Ob sie selbst wiederum korrupt ist oder nicht, kann dann völlig unbesprochen bleiben. Was sind schon Einträge aus Waffenschmuggel, Terror und Erpressung auf Seiten der Hamas gegen einen unter  Korruptionsverdacht stehenden israelischen Ministerpräsident? Zumindest nicht der Rede wert. Die Israelis sind schließlich schuld an allem.

„Olmert, Livni und ihr Verteidigungsminister aus der Arbeiterpartei Barak zerstören, was in den vergangenen Monaten und Jahren an Vertrauen aufgebaut wurde in Kindergärten, Schulen, Gemeinden, Betrieben.“

Nur ein zynischer Antisemit kann von täglichen bis stündlichen Kassameinschlägen in Kindergärten, Schulen, Gemeinden, Betrieben in Südisrael (siehe auch Anhang) als „Vertrauensarbeit“ reden – was immer Becker sonst meint, die Christenvertreibungen im Gaza-Streifen,  das Lynchen von nicht minder vernichtungswütigen Fatah-Anhängern oder der alltägliche Terror gegen Frauen, es bleibt zynisch oder grenzenlos dumm. Weil das Feindbild Israel, die Konkretion der Imago des Juden heute alleine zu schwach wirkt, muss noch etwas Abstraktes, Gewaltiges her, Beckers Windmühlen: Die USA.

„Sie nutzen hierbei die Rückendeckung einer US-Regierung, die selbst lange delegitimiert ist durch die völkerrechtswidrigen Kriege in Irak und Afghanistan, durch Abu Ghraib, durch Guantanamo und vieles mehr.“

Auf einer Stufe rangiert bei einer solchen Konfliktanalyse also der gewaltsame Sturz der Taliban-Regierung und eine Folterpraxis, die allen demokratischen Rechtsgrundsätzen zuwiderläuft. Willfähriger Kitt des brüchigen ideologischen Flickwerks: Die Anrufung der Humanität.

„Abgesehen von der Inhumanität und der Unverhältnismäßigkeit: Auch diese Militäraktion wird den Nahen Osten nicht dem Frieden näher bringen, im Gegenteil. Sie wird in der arabischen Welt zu weiterer Verhärtung führen, die dortigen autoritären Regime stützen, Aufrüstungstendenzen fördern, die Zivilgesellschaft hingegen schwächen.“

Gerade eben wankten die autoritären Regimes irgendwo in der „arabischen“ Welt zwischen Malaysia und Nigeria unter dem Ansturm ungemein erstarkter Zivilgesellschaften, überlegte Ahmadinedschad bereits, die Atombombe auf gutes Zureden von Seiten einiger europäischer Konfliktwissenschaftler hin aufzugeben, da verpatzt Israel mal wieder völlig unverhältnismäßig alles und treibt so Eritrea in den Krieg mit Jemen, die durch die israelische Militäraktion ganz verhärteten Gotteskrieger in Pakistan kommen auf einmal auf die Idee, indische Ziele anzugreifen und in Nigeria wird Bin Laden erst jetzt zum Volksheld erklärt.

„Diese Tendenzen werden auch die Obama-Regierung irrwitzigerweise blind auf die Seite Israels und in Frontstellung gegen die arabischen Staaten bringen. In Israel wiederum werden sich die militanten Siedler ebenso wie die Rüstungsindustrie gestärkt fühlen, ein [sic] gerechte Verteilung des Wassers wird ebenso in weite Ferne rücken wie irgendwelche Ansätze zum Aufbau einer Zivilgesellschaft in Palästina, um der dortigen Jugend die Aussicht auf ein Leben, auf eine Zukunft in Frieden zu geben.“

Mit dem Flächenbrand-Jargon blendet Becker – abseits des Blindendiskriminierenden und latent antisemitischen Vorwurfs der „Blindheit“ – wie immer systematisch Vorgeschichte aus und verkehrt Ursache und Wirkung. Verkehrung und Umkehrung ist das Markenzeichen des Narzissmus und infolge dessen hält er sich im Schlussatz schon für eine moralische oder irgendwie bedeutende Instanz:

„Die Militäraktionen sind sofort zu beenden, die Verantwortlichen (auch für die Raketenangriffe auf Israel) sind vor Gericht zu bringen, die UNO muss auf den Plan.“

Welches Gericht Becker meint, was der Hamas jetzt die UNO nützen soll, wo sie doch schon ihre Waffenlager gefüllt hat, welcher Plan überhaupt, all das bleibt im Dickicht der Becker’schen Konfliktanalyse verborgen. Klar zutage tritt die Schuldzuweisung, die da immer lauten wird: Die Juden sind an allem schuld. Die  angepappte Klammer ist nur eine akademische Kür.

Anhang:

Einschlägig bekannt ist Johannes M. Becker bei Wadi-Blog, bei Lizas Welt, und natürlich auf Nichtidentisches. Er ist einer der prominentesten Vertreter der Marburger Friedens- und Konfliktforschung und verfasst regelmäßig Kommentare in der oberhessischen Presse zur israelischen Politik.

Informationen zur Qassam mit Liste der Einschläge:

List of  Qassam Rocket Attacks

Drei von zahllosen „Tzevah Adom“ – Videos auf Youtube:

Tzevah Adom I

Tzevah Adom II

Tzevah Adom III

Mehr Informationen zum Hamas-Terror gegen Israel:

Sderot-Gaza-what’s the story

Sderot, the other Side of Gaza (I/II)

The Hamas terror war against Israel

Kassam-Abschuss von UNRWA-Schule

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