Hitler kennen, Netanyahu hassen – der reduzierte Antisemitismus

„Netanyahu twists history in whatever way favours him. So now Hitler is not the bad guy but a Palestinian? Ok grab their land now and kill their children..right? I guess it’s now justified. This is unbelievable and extremely controversial!“ (Dreamzzgirl)

Konfliktanthropologie und Geschichtswissenschaften sind voll von historischen Interpretationen und Landkonflikten. Eine Darstellung des Konfliktes zwischen Tamilen und Shingalesen in Sri Lanka würde die Positionen beider Parteien schildern und dann emotional distanziert die Gewalthandlungen und Frontverläufe bis zum Untergang der LTTE-Flotte durch einen Tsunami nachzeichnen. Von den Massakern in den Chittagong-Hills von Bangladesh haben die meisten nie gehört, die genozidalen Massaker im Zuge der Abtrennung Pakistans von Indien, die noch heute den Kaschmir-Konflikt zu einem potentiell atomaren machen, haben nie besonders emotionale Stellungnahmen zuungunsten einer Partei hervorgebracht.

Es gibt hingegen eine mit Emotionen überladene Position, die absolut deviant ist:  der Ultrazionismus, das bedeutet, ein Zionismus, der über die aktuellen Staatsgrenzen Israels mit unterschiedlichen Begründungen („defensible borders“, archäologische Stätten, religiöse Bestimmung, Rückeroberung nach Vertreibung) hinausstrebt. Wenn sich jemand global hassen lässt, dann der Ultrazionismus, die „rechte“ israelische Position, mit der Netanyahu kooperiert. Wer noch die Solidarität mit Israel unterzeichnet fühlt sich um so mehr dazu aufgefordert, sich dann gründlichst von Netanyahu (dem „Irren“, wie er vielfach bezeichnet wird) zu distanzieren. Abbas‘ Aufforderungen zum Terrorismus segeln unter der Wutschwelle, hingegen eine Rede von Netanyahu entfacht global äußerste Aufregung, und spezifischer: Erregung. Die speist sich dem Vernehmen nach daraus, dass, so der Schluss, Hitler freigesprochen wird, der arabische Islamismus aber als wahrer Täter dargestellt werde. Das sei, so ein Kommentar, „ekelhaft“, andere finden das „entsetzlich“ oder „wirr„.

Vielleicht wäre ein ausgenüchterter Blick angebracht. Netanyahus Rede ist nur noch mit Mühe als Volltext auffindbar im Meer der Kommentarflut. Auffällig ist, dass Netanyahu sich primär mit antisemitischen Lügen über aktuelle israelische Politik zum Tempelberg und der Al-Aqsa-Moschee befasst – von denen aber geschwiegen werden kann, um ihm selbst eine umso größere Lüge zu unterstellen.
Sein Statement teilt sich in zwei Teile auf: Erstens der Befund, dass Hitler die Juden nur vertreiben wollte. Und zweitens, dass Al-Hussein eine „central role“ bei der Entscheidung zur Endlösung gespielt hätte.

Auch wenn sich die Traditionalität des Vernichtungsantisemitismus sowohl als über tausendjähriges deutsches Kulturgut als auch in Hitlers früher Ideologie nachweisen lässt, ist historisches Faktum, dass noch 1940 ernsthaft der Madagaskar-Plan und in einer Erweiterung der Rademacher-Plan zur gewaltsamen Vertreibung und Umsiedelung von Juden von den Nazis erwogen wurde. Ebenso ist klar, dass 1941 dieser Plan als verworfen galt und noch vor der Wannseekonferenz 1942 die schrittweise Eskalation des Vernichtungskrieges in der Sowjetunion längt beschlossen war. Die Entscheidung zur Vernichtung ist im Herbst und spätestens 12. Dezember 1941 gefallen, möglicherweise auch erheblich früher. Vermutlich ist es also falsch, dass Hitler durch Al-Husseini erst überzeugt werden musste. Es ist aber auch nicht vollkommen abwegig, oder „irre“, wie man Netanyahu unterstellt, diesen Zusammenhang zu erstellen und er ist nicht der erste oder einzige, der Dieter Wislicenys (die „rechte Hand Eichmanns“) sinngemäß gleichlautendes Zeugnis über Al-Husseini und die Entscheidung zur Endlösung für glaubhaft hält.

Am 28.11.1941 findet sich das unter Historikern bekannte Dokument des Treffens von Al-Husseini mit Hitler. Al-Husseini hatte zu dem Zeitpunkt längst in Berlin gearbeitet und vermutlich auch einige „Synergien“ mit mittleren Größen des Naziregimes gehabt. 1929 hatte Al-Husseini längst das Grundelement des Vernichtungsantisemitismus, die „Protokolle der Weisen von Zion“ in seine Ideologie integriert und mit den antisemitischen Pogromen in Palästina in politische Praxis umgesetzt. Es entstand demnach mit dem Djihadismus der Muslimbruderschaften und mit Al-Husseini ein Vernichtungsantisemitismus, der vor dem NS und unabhängig davon auf ein „Weltjudentum“, wie es in den „Protokollen“ imaginiert wird, abzielte. Tarach spricht daher auch von den „Protokollen“ als prägendes Dokument des Antisemitismus in der islamischen Welt, während judenfeindliche Passagen im Koran eine untergeordnete Rolle einnehmen. Al-Husseinis Beteiligung an antisemitischen Pogromen und Aufständen (1920, 1921, 1929, 1936-38 im Mandatsgebiet, 1939 im Irak) VOR der Kooperation mit den Nazis kann als gesichert gelten. Ebenso seine proaktive Rolle bei der Kollaboration mit den Nazis, zu der er diese überreden musste.

Während des Holocaust hatte Al-Husseini dann in mindestens einem Fall eine maximalistische Vernichtungspolitik gegen Nazigrößen durchgesetzt.

„1943 verhinderte al-Husseini die Freilassung von 5000 jüdischen Kindern, die auf Initiative des Roten Kreuzes gegen 20.000 gefangene Deutsche ausgetauscht werden sollten. Durch seine persönliche Intervention bei Heinrich Himmler erreichte er, dass die Kinder stattdessen in deutsche Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden. Der Mufti drängte immer wieder auf den strikten Vollzug des Völkermordes an den Juden, unter anderem, indem er Ribbentrop gegenüber die Wichtigkeit der „Lösung des Weltjudenproblems“ beschwor.“ (ZS Wikipedia)

Nach 1945 war Al-Husseini Mastermind des islamistischen Antisemitismus. Hassan Al-Banna, ein Vater des modernen Islamismus, sagt 1946: „Deutschland und Hitler sind nicht mehr, aber Amin el-Husseini wird den Kampf fortsetzen.“

Somit sind alle Teilelemente von Netanyahus Statement wahr: Es gab die Vertreibungs-/Umsiedlungspläne, es gab einen ideologischen Vernichtungsantisemitismus im Islamismus vor der Etablierung des NS, Al-Husseini hat nachgewiesenermaßen gegen einen Austauschplan der Nazis eine proaktive genozidale Wirkung mindestens auf die Tötung von 5000 jüdischen Kindern ausgeübt, und nach 1945 blieb er und seine „Schule“ die größte Bedrohung für Israel, weil sie die Fortsetzung des genozidalen Projektes der Nazis vorantrieben, das bis heute erfolgreich als palästinensischer „Widerstand“ maskiert wird, sich politisch hegemonial formiert in Hamas, PLO, IJ und unverblümt Terrorismus und Antisemitismus propagiert und praktiziert.

Mag die Reduktion, das Zusammenziehen der Elemente des arabisch-islamischen Antisemitismus auf einen Schlüsselakt ungesichert oder sogar fälschend sein, so ist es doch weder völlig unmöglich (der genaue Zeitpunkt der Entschließung zum Genozid ist umstritten und fällt durchaus in die frühe Al-Husseini-Episode des NS) noch völlig unwahrscheinlich.

Die Empörung der antisemitischen Medien aus der islamischen Welt war erwartbar, sie wurden von Netanyahus Kritik an ihrem Lügengebäude am tiefsten getroffen, sie mussten am stärksten abwehren, Netanyahu als „Lügner“ hinstellen. Selbst der Spiegel aber schreibt ganz unverblümt:

Benjamin Netanyahu ist für seine drastische Rhetorik bekannt – doch nun hat er sich in eine Reihe mit Geschichtsrevisionisten und Holocaust-Leugnern gestellt.“

In der ganzen Empörung maskiert sich ein verschleiertes Bedürfnis nach Hitler als Täter: „Hitler war’s“. Wenn in dieser Logik die hypothetische, umstrittene oder widerlegte „Eingabe“ Husseinis Hitler vom Genozid an den Juden freispricht, dann spricht die „Eingabe“ Hitlers die übrigen Deutschen von der Mittäterschaft frei.
Als hätte Netanyahu Hitler von dem, was er verursachte („burn them“) geschwiegen, als würde er freisprechen. Netanyahu schiebt daher nach: „Er ist verantwortlich für die „Endlösung“, er hat die Entscheidung getroffen. Aber es ist absurd zu ignorieren, dass Mufti Haj Amin al-Husseini dabei eine Rolle gespielt hat.“

Aber weil Netanyahu Netanyahu ist, weil er tendenziell ein Ultrazionist ist, der die jüdischen Städte im Westjordanland eher als annektiert betrachtet denn als Verhandlungsmasse, weil er ansonsten sehr viel Wahres und Wohlformuliertes zum antiisraelischen Antisemitismus verlautbart, sieht man ihn hier in einer Reihe mit „Holocaust-Leugnern“. Man hat erfolgreich aus Netanyahu, der aktuell „der Jude“ für nicht wenige Teile der Presse ist, einen Nazi gemacht, man hat sich dadurch das Recht erworben, sich vor ihm zu „ekeln“, ihn für „wirr“ oder „irr“ zu erklären. Und das ist Täter-Opfer-Umkehr. Der Spiegel steigert in dieser Umkehr schwelgend Messerangriffe mit Netanyahus Rede, an der noch keiner gestorben ist:

„Bei dem Gespräch im Kanzleramt dürfte die angespannte Lage in Israel und den palästinensischen Gebieten im Mittelpunkt stehen. Seit Wochen gehen Palästinenser mit Messern auf Juden in Israel und dem Westjordanland los. Bei den Angriffen wurden bislang acht Israelis und 25 arabische Attentäter getötet.

Die Konfliktparteien heizen die Stimmung mit gegenseitigen Vorhaltungen an und machen einander für die Eskalation verantwortlich. Netanyahus Äußerungen zum Holocaust sind der vorläufige Tiefpunkt.“

Dass Netanyahu als Jude überhaupt selbstbewusst gegen den Antisemitismus auftritt, gar etwas von ihm fordert, was er nicht erträgt, nämlich historische Wahrheit, das kann man ihm dann bedingungslos und emotional aufgeputscht nachtragen, sobald er eine einzige Reduktion vorträgt. Seine Kritik an 10 Lügen wird zensiert, sobald man ihn einer eigenen „Lüge“ überführt zu haben glaubt, die eigentlich schon eine halbe Wahrheit ist. Für die meisten, die diese halbe Wahrheit nun „wirr“ oder „irr“ oder „eklig“ finden, war Netanyahu auch schon vorher „der Jude“, einer, der sich irrational gegen den übermächtigen Antisemitismus stellt, und dabei, das schlimmste: ein fehlbarer Mensch bleibt, der in einer widersprüchlichen, extrem überlebensfeindlichen Realität Kompromisse verantworten muss, die anderen Staatschefs, insbesondere Abbas, erspart bleiben oder nachgesehen werden.

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Nachtrag:
Es wird suggeriert, Netanyahu hätte den inkriminierten Satz in propagandistischer Absicht gesagt, um die „antiarabische Stimmung“ zu fördern. Wer die Vorgänge in Israel (Messerattacken, Waffenkäufe) verfolgt, weiß, dass Netanyahu sich aktuell um die antiarabische Stimmung kaum Sorgen machen müsste. Jedenfalls nur dahingehend, dass er als Staatsoberhaupt eines demokratischen Staates sowohl antiarabische Ausschreitungen und Übergriffe wie auch die Messerattacken eindämmen muss, während Abbas von beidem profitiert und sich nicht verantworten muss.
Von der Instrumentalisierungsthese hängt auch die Stimmung gegen Netanyahu ab. Da er sein Argument unmittelbar danach widerrufen und differenziert hat, bleibt kein anderer Grund zur Aufregung als eben hinter der Aussage einen machtrationalen, bösartigen Plan zu vermuten und nicht einfach einen widerrufenen Ausrutscher.

Ein positiver Fallout ist, dass noch nie so viel und so intensiv über den Mufti von Jerusalem, Al-Husseini, berichtet wurde. Was in den meisten Konfliktanalysen peinlichst verschwiegen oder umgangen oder verharmlost wurde, wird nun als öffentliches Faktum aufgebaut, hinter das zurück zu fallen einige Anstrengungen kosten könnte.

Ein anderer Kommentar:
„The Prime Minister has erred in his understanding of the timing of Hitler’s decision-making but he is right about Husseini’s disastrous impact on Palestinian political culture. I hope that the discussion his comments have generated will draw more attention to the now abundant scholarship on Husseini’s role in collaborating with the Nazis in their failed efforts to murder the Jews of North African and the Middle East during World War II. We need more public discussion about the atrocious legacy he left behind that has been playing itself out, yet again, in the knife attacks on the streets of Israel’s cities. That legacy of a political culture that venerates violence and anti-Semitism is a huge barrier to successful diplomacy and resolution of the old conflict. “ (Jeffrey Herf, ME Forum)

Das! Ist! EUROPA!

Eine ungarische Kamerafrau lässt ihrem analen Sadismus freien Lauf, tritt vorbeirennende Kinder und stellt einem Mann das Bein, der ein Kind in Armen trägt. Solcher KZ-Wärterinnen-Habitus ist erwartbar in einem Land, in dem eine Art ungarische CSU und Jobbik seit Jahren ungehindert von der EU die Faschisierung vorantreiben. Er ist erwartbar in einem Europa, in dem Sozialdemokraten iranischen Massenmördern Geschäfte antragen und Ministerpräsidenten die eigenen Frauen bei Staatsbesuchen verschleiern lassen. Er ist erwartbar in einer Welt, in der man ein Syrien mit Assad schon fertig geplant hat, während man die Flüchtlings“katastrophe“ beklagt. Man tritt, sobald man sich unbeobachtet und ungestraft wähnt.
Was diese ungarische Täterin macht, passiert an den Außengrenzen täglich. In Mellila oder Ceuta, durch Frontex und Polizisten ausgeführt. Daran sterben dann Menschen, weil man sie zurück in Hunger, Durst oder lebensgefährliche Überfahrten tritt. Sie können dann nicht wieder aufstehen und weiterrennen.  Sie sterben am Zaun oder im Meer, werden von Polizisten zusammengeschlagen oder zurückgedrängt mit Pfefferspray. Aber dort ist eigentlich nie ein RTL-Team.

Mit Roberto Blanco zum Persilschein

„Er war Chauffeur und er machte nicht nur an und für sich unter den Leuten, durch die er hindurch musste, den Eindruck, eines Gentleman, sondern er blieb es auch, als sie die ihnen innewohnende Gemeinheit an ihm sich austoben ließen. Denn nicht nur, dass das stereotype Spalier offener Mäuler und gereckter Arme ihn begleitete und der ewige Ruf: „A Näägaa – !“ aus dem Boden sprang und wie festgewurzelt dastand, wenn er mit seinem Automobil vorüberflitzte – wir hörten auch, wenn ein Wachmann den Verkehr aufhielt, Sentenzen, Ratschläge, Verwünschungen wie: „Ge hörst’rr schau drr den schwoazen Murl an!“, „Hörst Murl, wosch di o!“, „Na woart du schwoaza Kinäsa!“, „Jessas, a narrischer Indianer!“, „Aschanti vadächtigaa – !“, „Tepataa – !“, „Stinkataa -!“
Ein Denker hielt sich die Stirn und rief: „Ah – jetzt waß i ollas!“ Was, verriert er nicht. Eine Megäre, deren Säfte in Wallung kamen, rettete sich in einen Lachkrampf, ihren Begleiter fragend: „Hirst, is dr der am ganzen Kirper schwoaz?“ Das Automobil entflieht, und, auf meine Frage, wie ihm das Leben gefalle, antwortet, die Achsel zuckend, dieser Schwarze im reinsten Deutsch: „Ach, die Wiener haben eben keine Kultur.“ Ich beschloß, ihn zu schützen, indem ich künftig das Präveniere spielen und auf jeden Maulaufreißer mit dem Finger zeigen wollte: „A Wienaa – !“ aber es half nichts. Die Neger sind nun einmal in unserer Mitte auffallend, und das Auffallende zieht eine Welt von Wilden, Weibern und Besoffenen an. Der Neger macht sich dadurch auffällig, daß der Weiße unruhig wird.“ (Karl Kraus: Untergang der Welt durch schwarze Magie: 310.)

Der Neurose, aus zwangshaftem Aufbegehren gegen Political Correctness unbedingt „Neger“ sagen dürfen zu wollen dialektisch beigesellt ist die Phantasie, man könne dem rassistischen Ressentiment schon durch Auslöschung der Stereotypie, der Worte, zu Leibe rücken. Huckleberry Finn und Tom Sawyer nennen den entflohenen Sklaven Jim auch mal einen Nigger und Neger, aber sie stehen ihm solidarischer als Fluchthelfer und Schleuser bei als die meisten universitären Antirassisten, die das Wort „Nigger“ schließlich erfolgreich aus dem Werk verdrängt haben. Jim übrigens wird als einziger Charakter im ganzen Buch so positiv dargestellt wie nur der afrikanische „Gentleman“ von Karl Kraus. Der belegte in seiner genialen Studie des zeitgenössischen Rassismus, dass der heute als fortschrittlich geltende Begriff „Schwarzer“ ebenso pejorativ gesetzt werden konnte wie „Neger“, mehr noch, dass auch da allein der Kontext den Ton des Rassismus machte. Ebenso auffällig: Dass das Fremde als soeben differenziertes („Kinäsa“, „Indianer“, „Aschanti“) eben doch wieder zusammen schießt in einem Ressentiment vom Anderen. Bereits „Zehn kleine Negerlein“ ging aus „Ten little Injuns“ hervor wie die sogenannte Negersklaverei aus der Indianersklaverei, die außerhalb B. Travens Meisterwerken fast vollständig aus dem gesellschaftlichen Gedächtnis verschwunden ist.

 Wenn nun ein Politiker, der noch nicht von Beratern auf Medienkompetenz gebürstet wurde, vom „wunderbaren Neger Roberto Blanco“ schwärmt, so kann man sich sicher sein, dass wirksame Kritik abgelenkt wird vom Skandal um das Wörtchen „Neger“. Der eigentliche Skandal ist, dass PolitikerInnen, die dank ihrer Medienkompetenztrainings niemals Neger vor laufender Kamera sagen würden und nach jeder Flüchtlingskatastrophe pflichtschuldigst ein paar Krokodilstränen für die Abendnachrichten abdrücken, unkritisiert ihre Dezimierungskampagne, die je nach Station 10-30% der Flüchtlinge das Leben kostet, nunmehr seit über 20 Jahren planen, organisieren und durchführen durften.

Dass man es wagt, mit einem „Angebot“ an die Flüchtlinge, die die Dezimierungsinstanzen überlebten, noch die Forderung nach „Fairness“ zu verknüpfen, kurzum, dass man die abgepresste Empathie noch sofort in ein Tauschverhältnis verwandelt und somit schon wieder suggeriert, Deutschland würde etwas verlieren durch das Aufnehmen von Syrern oder Eritreern oder Afghanen und hätte demnach in der schonungslosen Konkurrenz der europäischen Staaten untereinander eine „faire Verteilung“ verdient. Rassistisch ist nicht so sehr, dass Joachim Herrmann von der CSU Roberto Blanco einen „Neger“ nennt, sondern dass die Flüchtlinge aus Afrika „wunderbar“ sein müssen, „Fußballspieler beim FC Bayern“ oder Schlagerstars, damit man seinen Frieden mit ihnen macht. Wenn deutsche Fußballclubs und Musikagenturen den sattesten Profit aus diesen konformistischen Stars schlagen, wird das schon als „Integrationsleistung“ der Deutschen eigengelobt, als wäre es schon außergewöhnlich, sich solchen Stars gegenüber dann – ja auch nicht durchweg – wie ein zivilisierter Mensch zu verhalten und sie nicht gleich im CSU-Stil der „Durchrassung der deutschen Gesellschaft“ zu verdächtigen. Deren Wohlstand nach FJS bekanntermaßen primär dazu berechtigt von Auschwitz nichts mehr hören zu müssen, aber auf gar keinen Fall dazu, das „Sozialamt der Welt“ zu führen. Die offizielle Politik der CSU heute bleibt, über die eigene Überforderung durch „Zuwanderung“ zu jammern:

Es darf aber nicht zu einer Überforderung Deutschlands in der Asyl- und Flüchtlingspolitik kommen. Unerlässlich ist zum einen die politische Klarstellung, dass das Asylrecht nur für die wirklich Schutzbedürftigen da ist. Notwendig ist zum anderen das Signal, dass Deutschlands Leistungsfähigkeit nicht unbegrenzt ist. Wir können nicht alle aufnehmen, die zu uns wollen. Wir können weder in Bayern noch in Deutschland die Krisen der Welt lösen. (http://www.csu.de/common/csu/content/csu/hauptnavigation/aktuell/meldungen/PDFs/140915_7-Punkte-Sofortporgramm.pdf)

 

Man kann aber nicht Orban zum Wahlsieg gratulieren und dann über die mangelnde Weltoffenheit anderer europäischer Staaten klagen, die man ohnehin via Außenhandelsbilanz, Agrarsubventionen und Hartz-IV ökonomisch zu billigen Touristenstränden für die gestresste deutsche Facharbeiterschaft zurückgerüstet hat. Wer ein konservatives CSU-Europa will, will Victor Orban und dessen Nato-Draht-Sperren, mit denen fliehenden Kindern die Wangen zerfetzt werden sollen, bevor man ihnen das Asyl ja meist auch noch verweigert in einem Land, in dem Jobbik Bürgermeister und Richter stellt. Wer die CSU gewählt hat, hat auch den Zaun um Europa gewählt, an dem körperlich fitte Flüchtlinge herausselektiert werden, denn Kinder und Geschwächte schaffen es niemals über diese Mauer aus Stahl und Beton gewordener Kälte. Das ist der Rassismus hinter dem Schwärmen über die „wunderbaren Neger“ – dass die gleiche Partei trotz aller neuerer kleiner Angebote, niemals vom Dublin-Abkommen und Frontex abrücken will, die effektiv dezimieren und den Folterbanden an den Peripherien ihr milliardenschweres Einkommen sichern. Das ist der nichtrassistische Rassismus, Dezimierung durch Menschen, die niemals „Neger“ sagen würden und in der Kirche auch für Flüchtlinge in syrischen Lagern spenden, aber dann ihr Kreuz bei CDU/CSU machen, die noch am sichersten garantieren, dass Flüchtlingen weiter ihr Leben riskieren müssen, mit steigendem Risiko bei sinkendem Einkokmmen, um ihr Recht auf Asyl einzufordern.

Und selbst Kritik daran deckt noch zu, was eigentlich anstünde: Interventionismus. Zugegeben, Eritrea wird schwer aus seiner Isolation herauszuführen sein, das Risiko ist groß, den immerhin beachtlichen Frieden zwischen den Religionen im Land zu zerstören und in einem Übergangszustand Machtkämpfe auszulösen, vor denen Eritreer so berechtigte Angst haben, dass sie eben lieber fliehen als zu kämpfen. Die Pazifizierung Syriens, Iraks und Afghanistans aber ist mit militärischem Engagement zu erreichen, die Rezepte sind erprobt und wirksam, Deutschland und unseligerweise inzwischen auch die USA wollten aber gerade hier sparen – auf Kosten Anderer und im völlig klaren Bewusstsein der Folgen, die von allen kompetenten Experten angekündigt waren.
Das ist die letzte und überhaupt frecheste Lüge: Man habe nichts gewusst. Die Flüchtlingsströme seien „unerwartet“. Als hätte man nicht vor zwei Jahren, als in Yarmouk Gras und Pappe gefressen wurde, als bereits Millionen Syrer auf der Flucht waren, ahnen können, dass diese Menschen leben wollen, als habe man nicht vor vier Jahren, als der nunmehr von Russland zurück zur Macht gebombte Assad die ersten Demonstrationen niederkartätschen ließ, gewusst, dass dieses Land blutig zerbrechen würde. Dieses Nichtsgewussthabenwollen, das war von je der härteste Kern des deutschen Rassismus.

Zum Um-Weltsouverän

Die Stilblüten antideutscher Versuche, sich die Kritik der je konkreten Verhältnisse durch einen marxistischen Strukturalismus zu ersparen, der schon immer weiß, was der Systemzwang ist und dass es vor ihm kein Entrinnen, also auch keinen Reformismus geben kann, bringen surrealistische Praktiken hervor. An verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten kamen Menschen auf die Idee, es sei ein antifaschistischer Akt, bei McDonalds zu essen und dann die Tüte – im heroischen Widerstand gegen deutschen Ordnungssinn – ostentativ auf die Straße oder in Wiesen zu werfen. Andere haben zu nämlichem Ordnungssinn und Stammtisch direkt zurückgefunden: sie wettern gegen „Wursthaare“ und nehmen den „Grotesksong“ der „Ärzte“ unsatirisch zum Ideal ihrer Feindbilder, naturverliebter Hippies, Robbenschützer und Antisemiten. Die Popband Egotronic hat den Slogan „Die Natur ist dein Feind“ zur T-Shirt Parole erhoben, die in einigen Foren auf erschütternd maoistische Weise ernst genommen wird.

Der Naturschutz hat freilich seine Geschichte. Absolutistische Fürsten entzogen ihre Jagdreviere den Wilderern und Bauern, während sie die barocken Gärten in analer Zwanghaftigkeit organisieren ließen. In der Reaktion auf die dystopischen Prozesse der Industrialisierung hat die Romantik intellektualisierte Ästhetisierungen hervorgebracht, die durchaus noch offen für Ambivalenzen waren. Zum Zeitpunkt der heute nicht mehr kenntlichen, fast vollständigen Entwaldung in Mitteleuropa war die Waldflucht der romantischen Städter in die letzten Wälder mehr als nachvollziehbar und Adornos Tod beim ganz romantischen Wandern in den Bergen ist ein Nachhall dieser Flucht.
Zu der reaktionären Tendenz, nicht nur in Natur zu fliehen, sondern sie zum Ideal von Gesellschaft zu definieren, (siehe dazu etwa die Heinz Maus‘ Arbeiten über Comté) existieren hinlänglich ausgearbeitete Kritiken wie die von Radkau/Uekötter („Naturschutz und Nationalsozialismus“) oder Oliver Gedens „Rechte Ökologie“.
Letzterer wurde gerade in der Jugendumweltbewegung der 90-er lebhaft diskutiert. Die fundiertesten Kritiken reaktionärer Ökologie kommen meist aus der Ökologie selbst und in diese Tradition fällt auch, wenngleich auf höherem philosophischen Niveau, die Kritische Theorie, deren Paradigma schließlich heißt:

„Jeder Versuch, den Naturzwang zu brechen, indem Natur gebrochen wird, gerät nur umso tiefer in den Naturzwang hinein. So ist die Bahn der europäischen Zivilisation verlaufen.“

Gegen Tendenzen, Kritische Theorie unter Zugabe überhitzten Agitprops zum stumpfen, genussgerechten Modernismus zu karamellisieren, der in Natur nur das Überkommene und zu Bekämpfende sieht wandte sich mein Text „Vom Walöl zum Palmöl“, in dem Gerhard Scheit aufgrund der journalistischen Begrenzungen eine seinem Gesamttext etwas ungerechte Rolle einnahm mit seinem gegen Marcuse gerichteten Zitat:

»Die ökologischen Vorstöße indessen sind nur Vorstöße gegen den Restbestand politischer Vernunft.«

Gerhard Scheit wendete dann in einer kurzen Kritik gegen meine Verteidigung ökologischer Praxis ein:

„Zuzustimmen ist ihm, wo er Konkretheit und die Beurteilung jeder einzelnen, geforderten oder durchgeführten Maßnahme einklagt; zu widersprechen aber, wo er um der Konkretheit willen verfährt, als existierte der allem aufgenötigte Identitätszwang nicht, als könne man ihn wegdenken. Auf die vom Kapital gesetzte Begrenztheit jener Maßnahmen unabdingbar zu reflektieren, ist kein Maximalismus, sondern Kritik gesellschaftlicher Totalität. Die Problematik spitzt sich nicht zufällig an der Frage des Staats zu.
Im Fall der Nashörner und des Klimawandels pflichtet Riedel meiner Kritik bei, dass der Weltsouverän ein Wahn ist; im Fall der Wale und eines künftigen Aufforstungsprogramms sieht er indessen selbst einen solchen (Um-)Weltsouverän am Werk. Wer allerdings annimmt, dass es so einfach möglich sei, ein Gewaltmonopol herzustellen, das Raubbau verhindere und das Kapital wie ein ‚Tischlein deck dich‘ der Natur arbeiten lässt, hat die Rechnung ohne den Souverän gemacht: Verdrängt wird, dass die Staaten ihrem Wesen nach uneins sind; ihr Monopol auf Gewalt gerade in den Gewaltverhältnissen zwischen ihnen (und den ‚Unstaaten‘) gründet; sie sich also immer nur auf eine clausula rebus sic stantibus, nicht aber auf ein Gewaltmonopol im Sinn von pacta sunt servanda einigen können.“ (Gerhard Scheit 2015: Zur Kritik des Umweltsouveräns)

Gegenstand der Kritik war mein Textabschnitt:
„Entwaldung etwa ist mit Satelliten messbar, die Folgen sind seit der Antike bekannt, die Gegenmaßnahmen simpel: Man trennt Ackerbau, Viehzucht, Försterei und Naturreservate räumlich und stellt ein Gewaltmonopol her, das Raubbau verhindert. In einfachen Kausalketten führt die Aufforstung von Mangrovenwäldern zu Fischreichtum und stabilisierten Küsten, Bergwälder bremsen warme Aufwinde und erhalten Gletscher, degradierter tropischer Laterit-Boden lässt sich mit Forsten vor weiterer Verwitterung und Erosion sichern. Solche Maßnahmen werden nur dort vollzogen, wo Menschen die Kausalketten verstehen. „

Diese kurzgeschnittene historische Perspektive auf die Entwicklung in den Industriestaaten führte Scheit zur Bewertung als „Tischlein-deck-dich“. In der historischen Perspektive ist seit der Antike der Feudalismus ebenso gemeint wie Roosevelts Naturpark-Projekte oder die Erfindung des Stacheldrahtes in den USA. Prinzipiell funktionierte und funktioniert es so, daher das Präsens. Das Bewusstsein, dass dieselben Maßnahmen heute in völlig anderen Bedingungen stattfinden müssten und unendlich schwer zu organisieren wären, ging womöglich unter. Selbstverständlich fordere ich nicht, dass ein Weltsouverän mit aktuell verfassten Staaten (China, Russland, Iran, etc.) irgendeine Rolle bei der Etablierung eines Gewaltmonopols etwa in der Sahel-Zone spielen sollte. Wenn aber ein Staat wie Indien seine Tiger schützen möchte, bedarf er theoretisch in den von Wilderei betroffenen Gebieten eines Gewaltmonopols.

Beim Schutz der Wale waren internationale, staatliche Abkommen erst die Folge eines jahrzehntelangen Abnutzungskampfes von NGO’s wie Greenpeace gegen die Vernichtung der letzten Wale. Ebenso könnte Aufforstung in den Ländern mit massivem Waldverlust von den freigesetzten Massen im eigenen Interesse selbstorganisiert stattfinden, „wo Menschen die Kausalketten verstehen“. Dafür gibt es reale Vorbilder in der israelischen Tradition des Tu BiShvat, die Telefonfirmen auch in Ghana verankern wollen, oder in den Aufforstungsbemühungen kenianischer NGO’s. Gerade in den Trikont-Staaten ist das Vertrauen in Staatlichkeit bisweilen sehr gering und Ökologie wird häufig zum demokratischen Kampf gegen Staatsterror. Ironischerweise sind aber gerade in den Peripherien prozentual mehr Flächen unter Naturschutz gestellt als in den Industrieländern und darunter insbesondere Deutschland. Wo Rackets zwischen Peripherie und Industriestaaten pendeln, Gewaltmonopole heute die Ausbeutung von Ressourcen unter dem Druck der allseitigen Konkurrenz der Nationalökonomien eher vorantreiben und organisieren, bleibt Ökologie eine gewerkschaftliche Angelegenheit – das Gewaltmonopol ist strukturell und historisch ein Mittel gegen die Wilderei und wurde hier als Faktor mit aufgelistet, eine Forderung für sich kann es, und darin stimme ich Scheit zu, heute kaum darstellen.

Ökologische Initiativen werden heute in aller Regel zuerst demokratisch, von unten praktiziert, als Interessensverteidigung. Nur allmählich verwandeln sie sich in gesellschaftliche Übereinkunft und – meist sehr widersprüchliche, schwache oder kontraproduktive – Gesetze. Großprojekte wie der Serengeti-Nationalpark oder die Rettung der Berggorillas oder auch die Rettung des irakischen mesopotamischen Deltas waren das Werk von vergleichsweise wenigen, engagierten Einzelpersonen. Hier sind Begriffe wie „Wahn“ oder „Weltsouverän“ unangebracht. Die internationalen Organisationen und Netzwerke haben bei den nördlichen weißen Nashörnern versagt – aber nicht notwendig. Ein paar mehr Ranger in Waffen hätten genügt.

Der Klimawandel hingegen ist nicht nur ökonomisch und technologisch kaum global zu regeln, sondern der Klimaschutz bietet hier gerade weil der Weltsouverän kein Wahn ist, sondern Realität, den darin organisierten nationalökonomischen Rackets die Möglichkeit, Palmöl als nachwachsenden Rohstoff zu behaupten und die Auslöschung von Regenwald zu forcieren – im Zeichen des Klimaschutzes. Auch dies ist kein notwendiger Prozess – schließlich können sich die gleichen Institutionen auch auf größere Meeresschutzgebiete einigen wo sie dazu gedrängt werden. Clausula rebus sic stantibus bedarf der Duldung unaufgeklärter oder ideologisch gegen die Natur aufgehetzter Massen. Dementsprechend ist auch die jüngste Ankündigung der G7, bis 2100 global auf fossile Brennstoffe zu verzichten, vorerst nichts anderes als die Ankündigung, noch den letzten Fetzen Regenwald in eine Ölplantage und jeden Magerrasen in einen Maisacker zu verwandeln. Unter dem Druck einer aufgeklärten Gesellschaft kann sich Ökonomie aber prinzipiell zu Mindeststandards (Abschaffung der Sklaverei, Kinderarbeit) verpflichten lassen. Wäre der Systemzwang absolut, hätten die Revolutionäre eine bequeme Dichotomie der totalen Revolution oder des ungehinderten Weiterwirkens. Der Reformismus der Kritischen Theorie aber kennt solche Dichotomien nicht, ja steht ihnen sogar misstrauisch gegenüber. Der Radikalismus der Theorie, dass das Tauschgesetz und der Akkumulationszwang alles durchwirken, führte nicht dazu, dass man Gewerkschaften und Umweltorganisationen in der Praxis in den Arm fiel, auch wenn absehbar war und ist, dass nationalökonomische gewerkschaftliche oder umweltpolitische Tätigkeit das Kapital zur Verschiebung von Ausbeutung an die Peripherien nötigt. Wird solche Verschiebung reflektiert, kann gewerkschaftliche und ökologische Arbeit (beide sind eng verwandt), sich ebenfalls verschieben. Diesen Schritt nicht zu vollziehen wäre eine wirksame Kritik. Ihn aber als vergeblich zu diskreditieren weil das Kapital ohnehin allmächtig schon ist, führt doch in die Schwierigkeit, diese strukturalistische-teleologische Position von marxistischem, dynamischen Geschichtsbewusstsein abzukoppeln.

Vom Walöl zum Palmöl

„Die Dampfmaschine brachte den Hunger nach den komprimierten Kondensaten der Opfer von Naturgeschichte, die fossilen Energien. Industrialisierung kannte da bereits einen lebendigen, nachwachsenden Energieträger: Wal. Das Fett der Tiere wurde für jenes Nitroglyzerin verwendet, mit dem man Kohleflöze aufsprengte, es wurde in Straßenlaternen und Fabriken verheizt. Die Übernutzung von 10.000 erbeuteten Tieren pro Jahr zu Marx’ Lebzeiten wurde trotz Erdöl im 20. Jahrhundert erweitert.  […] Philosophie, die diesem Aktualitätsdruck nicht Rechnung trägt, kann nur als versäumte stattfinden. Auffällig an der jüngeren Wiederaufnahme von Positionen der Kritischen Theorie zur Ökologie3 ist der Drang zum klinisch sterilen Abstraktum »Natur«. Die bloße Erwähnung konkreter ökologischer Probleme riecht nach Essentialismus, nach Romantik, nach Kitsch. Die Frustration über das Ökologieproblem, die Frage nach dem »einzelnen Wesen«, dem beizustehen wäre, beantwortet Gerhard Scheit mit einer Praxisfeindschaft, die kritischer Theorie abhold war: Mit Amery kritisiert er Marcuse für dessen sozialdemokratischen Versuch, im »Rahmen« kapitalistischer Vergesellschaftung schon »den Umweltschutz« vorzubereiten. »Die ökologischen Vorstöße indessen sind nur Vorstöße gegen den Restbestand politischer Vernunft.«4″

Lesen unter:

http://versorgerin.stwst.at/artikel/jun-8-2015-1334/vom-wal%C3%B6l-zum-palm%C3%B6l

In Katzengewittern

Über den »Animismus der Kritischen Theorie«.

Hinlänglich durchs Feuilleton gereicht wurde das Bestiarium Adornos: die Gazellengiraffe Gretel, das Mammut Max, die mütterliche Nilfpferdstute und er selbst als Nilpferdkönig Archibald. Indem Adorno seine Nächsten in Tiere verwandelte, würdigte er in ihnen das von böse gewordener Zivilisation noch nicht Verwüstete. Diese romantische Ader ist nicht Lapsus, sondern Kern Kritischer Theorie. Sie wird an entscheidenden Stellen animistisch und dieser Animismus läuft dem Gestus der »Ausrottung des Animismus« durch den »Anthropomorphismus« der Aufklärung zuwider.

Weiterlesen unter:
http://versorgerin.stwst.at/artikel/jun-8-2015-1347/katzengewittern