Jodi Dean – eine typische US-amerikanische linke Antisemitin

https://twitter.com/Jodi7768

Jodi Dean ist Professorin für Politikwissenschaften an der Hobart and William Smith Colleges in New York. Sie tritt auf Twitter mit dem Logo der Sowjetunion – Hammer und Sichel – auf und widmet sich klassisch linken Themen aus einer von Sowjetrussland noch immer faszinierten Perspektive. In einem neuen Text fordert sie eine Beteiligung von ProfessorInnen am Klassenkampf. Das beinhaltet für sie natürlich auch den Boykott Israels:

„Over the past few years a number of brilliant scholars have been hounded out of the academy because of their political convictions, their commitments to struggles for Palestinian rights and against white supremacy. „

https://www.chronicle.com/interactives/20191011-ComradelyProf?cid=wcontentgrid_hp_6

Man braucht nicht viele Klicks, um zu verstehen, was Jodi Dean unter den „Rechten der PalästinenserInnen“ versteht. In dem von ihr mitherausgegebenen Sammelband „Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) and Political Theory“ (2019) schreiben die Herausgeber im Vorwort:

“ The BDSmovement against Israel is one of the most widespread instances of solidaritypolitics in the world today. Although its aims are consistent with liberal aspirations,their accomplishment would mean nothing less than a revolutionary remaking of life in Palestine for all who live there, not to mention for Palestinians in thediaspora and Indigenous peoples throughout the world. Like Daulatzai and Rana’scall for a Muslim International, BDS challenges the seemingly settled conclusion inpolitical theory that revolution is neither responsible nor possible as a politicalpraxis. „

Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) and Political Theory
Contemporary Political Theory, 2019

The armed struggle builds the new Palestinian state. The general staff of the armed struggle is the state-in-waiting of the liberated nation.How does BDS re-configure strategy in relation to armed struggle? WhilePalestinians and Arabs have used forms of boycott against the Israeli state sincewell before BDS, these existed as tactics within other, larger strategies. But if BDSis itself a new strategy, and not just a shift in tactics, we wonder how it furthers therevolutionary Palestinian project.

Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) and Political Theory
Contemporary Political Theory, 2019

In ihrem eigenen Beitrag äußert sich Jodi Dean wie folgt:

“ BDS must be understood within broader internationalanti-imperialist and anti-racist political movements. It should be approached, then,in terms of solidarity with the Palestinian struggle for self-determination and, further, with all struggles against occupation, incarceration, dispossession, settler colonialism, and imperialism. The traditional emphasis on academic freedom assumes that what is at stake is having a discussion. The emphasis on solidarity assumes, instead, that what is at stake is having a future.

Moreover, within the North American context, at least, it isopposition to BDS that is the real threat to academic freedom. BDS supporters inacademia – students and scholars alike – encounter harassment and intimidationfrom organizations like the Canary Mission. They lose their jobs (Steven Salaita) and their platforms (Marc Lamont Hill) because of pressure from alumni donors and because of manufactured media outrage. They are barred from the academy inthe first place by anti-BDS legislation, on the books in 27 states.

Jodi Dean: BDS and international solidarity. In: BDS and Political Theory, 2019.

Wohlgemerkt: „manufactured media outrage“. Wer diesen Aufschrei der Medien „lenkt“, spezifiziert sie nicht, aber es ist klar, dass sie nicht akzeptieren kann, dass BDS kritisiert wird.

Die Glorifizierung der Vernichtung Israels, sei es durch die reaktionäre und durch und durch korrupte Terrororganisation Fatah, sei es durch die ebenso geprägte BDS-Bewegung mit ihrem durch und durch antisemitischen und gewaltverherrlichen Logo „Handala“, zieht sich durch den propagandistischen Band. Selbstverständlich hat sich selbst Boykottaufrufe gegen Israel mitunterschrieben:

„This true freedom, which can only be pursued through struggle incommon, through a radical solidarity, far exceeds academic freedom, which, fromthis perspective, looks like the horizon of a crabbed, narrow sort of ‘‘solidarity,’’ an in-group protecting its privileges. Instead of hemming ourselves in by keeping within the frame of academic freedom, I am arguing that we should strive instead to extend the sort of radical solidarity shown by these prisoners. At stake is not merely our ability to have a discussion amongst ourselves, but the meaning of that discussion, and the possibility of having a future in which the discussion is not merely among us.

Therefore, I call upon all political theorists, and all political scientists, to join the academic boycott of Israel, and to insist that our professional organizations do the same, and, in particular, I endorse the passage of the following resolution by the Foundations of Political Theory section of APSA: ‘‘Be it resolved that the Foundations of Political Theory section endorses and will honor the call of Palestinian civil society for a boycott of Israeli academic institutions.’’

Jodi Dean: BDS and international solidarity. In: BDS and Political Theory, 2019.

In einer typischen Täter-Opfer-Verkehrung beschreibt sie sich und Ihresgleichen als verfolgt, als „hounded out“. Während BDS Zustimmungsraten von bis zu 98% in manchen Fächern (Gender Studies und andere) erhält und in der Ethnologie immer noch 49,9% inklusive der Führungsspitze, während also ganze Fächer dafür sorgen, dass Studierende aus und in Israel keinen Zugang zu akademischen Journals, Stipendien und Stellen erhalten, klagt sie über eine Diskriminierung der „propalästinensischen Position“.


Dazu ist klarzustellen: Diese Diskriminierung der Boykottbewegung ist notwendig. Der Kampf gegen Antisemitismus ist ein Kampf um alles oder nichts. Wenn eine Seite den Boykott Israels fordert, so gibt es keine Verhandlungen, sondern nur einen Verdrängungskampf. Es ist ein unteilbarer Konflikt. In einer antragsbasierten Wissenschaft wird kein Zionist eine Stelle erhalten, wenn auch nur 10% BDS-Antisemiten in den Juries sitzen, die ihn für einen Feind der Revolution halten. Die einzig akzeptable Prozentzahl für Antisemiten in der Wissenschaft ist Null – und dieses leider sehr unrealistische Ziel diskriminiert AntisemitInnen, die das Existenzrecht Israels nicht nur leugnen, sondern wie Jodi Dean aktiv angreifen.


Die „mathematische sowie naturwissenschaftliche Allgemeinbildung“ von Thomas Maul

Gastbeitrag von Sébastien de Beauvoir – mit einem Nachwort von Felix Riedel

Thomas Maul hat sich als Klimatologe versucht, und das Ergebnis ist ein einziges Cringefest. Vielleicht sollte man ihn einfach nur auslachen und nicht weiter beachten. Als ich einen geschätzten Freund fragte, wie es sein kann, dass Leute wie Maul keine Sorge hätten, jemandem könnte auffallen, wie nackt sie dastehen, gab mir dieser jedoch zu bedenken, dass sie wohl tatsächlich eine Heidenangst davor hätten; dass die selbsternannte Ideologiekritikerszene sich die offene Klimawandelskepsis bisher nur noch nicht so recht traue, weil die Gefahr zu groß sei, als kompletter Trottel dazustehen; dass es wichtig sei, dass einer ihrer Wortführer derjenige ist, der das als erstes macht, und dass dieser Schritt jetzt vollzogen sei und nunmehr die Hot Takes so richtig losgehen können. Letzteres möchte ich gern vermeiden, weil ich nicht will, dass ansonsten geschätzte Genossinnen und Genossen sich am Ende von so einem lächerlichen Humbug noch beeindrucken lassen. Außerdem kann ich es grundsätzlich nicht ausstehen, wenn Scharlatane sich an der Naturwissenschaft vergreifen. Daher folgender Präemptivschlag anlässlich des Blogbeitrags „Die Welt als Wille und Heizkörper“, veröffentlicht am 30.06.2019 als dritter Teil der Beitragsserie „Grünifizierte Gesellschaft“ auf der „Achse des Guten“:

Das Titelbild stimmt schonmal ein: Wie einst die Freiheitsstatue dem antiamerikanischen Eissturm in „The Day After Tomorrow“ trotzte, ragt hier nun der Kirchturm aus den biblischen Fluten der apokalyptischen Klimareligion hervor – the occident will prevail! Direkt danach geht es mit einem knackigen Eingangsstatement los, die Fans sollen nicht lange warten müssen:

»Der Vorschlag aus den Reihen der Grünen, Klima-Greta mit dem Friedensnobelpreis zu ehren, ist freilich nicht überraschend angesichts einer Gesellschaft, die sich mit hohen Zustimmungswerten so etwas wie Klimapolitik überhaupt leistet. Schließlich exekutiert diese nichts anderes als einen unschwer zu durchschauenden Wahn.«

So schleudert er einer vermeintlich hungrigen Menge eine steile Behauptung (irgendwas mit „Wahn“) nicht etwa als zu begründende Aussage, sondern als ohnehin voraussetzbare Prämisse („Schließlich […]“) entgegen. Logiker hassen diesen Trick! Die Menge dagegen ist begeistert, und wer ihn kennt, weiß, jetzt muss es noch eine Stufe krasser kommen:

»Und doch wird die Klima-Hysterie bisweilen sogar dort, wo man sich aufs Erkennen von Wahnvorstellungen spezialisiert wähnt – in israelsolidarischen oder ideologiekritischen Kreisen also –, entweder geteilt oder in Äquidistanz zu einem Forscherstreit verharmlost, zu dem eindeutig Stellung zu beziehen man sich aus falscher Bescheidenheit die Fachkompetenz abspricht [usw.] […]«

Wer es mit dem Westen ernst meint, braucht mit lauwarmer „Klimaskepsis“ nicht zu kommen, denn Äquidistanz hilft nur der Barbarei. „Falsche Bescheidenheit“ ist ihm bekanntlich fremd, und so schult sich der Tausendsassa in Verteidigung des Abendlandes, auf sich alleingestellt inmitten gnadenlos verblödeter Horden, binnen kürzester Zeit per kursorischer Lektüre einschlägiger Wikipedia-Artikel zum aus der Not geborenen Klimakritiker.

Naturwissenschaftlich relevanter Dreh- und Angelpunkt seiner folgenden Argumentation ist die Behauptung, das IPCC und der ihm hörige wissenschaftliche Mainstream sei dem Dogma verfallen, die Durchschnittstemperatur der Erde hinge

»monokausal-proportional-linear«

vom CO2-Gehalt der Atmosphäre ab. Dieses Dogma wird er dann im Weiteren geradezu galileisch als Irrglauben widerlegen (und sich selbst dabei gleich mit, aber zu dieser Dialektik des dummen Kerls später). Allein: Dieses Dogma existiert gar nicht. Niemand, wirklich absolut niemand, der oder die irgendetwas zu sagen hat, sei es zu Klimaforschung oder -politik, behauptet etwas, was auch nur in die Nähe dieses vermeintlich zentralen Glaubenssatzes kommt, weder eine Monokausalität noch einen linearen Zusammenhang (durch den Griff zu einem beliebigen einschlägigen Lehrbuch zu überprüfen, bspw. E. Boeker / R. v. Grondelle: Environmental Physics. Wiley, 3. Auflage 2011, S. 45ff.) Und weil niemand das behauptet, hat er sich den entsprechenden Begriff auch extra für diesen Blogbeitrag selbst ausdenken müssen, denn niemand mit mathematischer Ausbildung würde das, was Maul da mit etwas Glück zu sagen versucht, so formulieren, wohingegen dieses sinnarme Bindestrichungetüm auf andere den Eindruck machen mag, hier habe jemand den mathematischen Durchblick.

Später wird daraus die leicht abgewandelte Aussage,

»dass es sich bei der Korrelation um eine vom CO2 ausgehende linear-proportionale Kausalität handelt, der[er] es logisch bedarf, damit die Panikmache aufgeht «

Einmal davon abgesehen, dass außerhalb der Phantasie des Autoren niemand von Relevanz eine solche Linearität postuliert, bedarf es ihrer „logisch“ auch gar nicht, denn auch andere, kompliziertere Zusammenhänge können bedeutsam sein – und sind es in diesem Fall.

Etwas weiter im Text wird Maul die Feststellung des dritten Sachstandsberichts der IPCC von 2001 (nicht, wie von ihm – wohl um eigenständige Quellenarbeit vorzutäuschen – angegeben, von 2007) zitieren,

»dass es sich um ein gekoppeltes [!] nicht-lineares [!] chaotisches [!] System handelt.«

Etwas furchtbar Kompliziertes also, das mächtig Eindruck auf seine Leserschaft machen soll. Unbeschadet dieser ehrfurchtsgebietenden Komplexität will Maul an dieser Stelle aber erstmal der

»infantile[n] Hybris«

mithilfe der guten, alten

»mathematischen sowie naturwissenschaftlichen Allgemeinbildung und der eigenen Alltagserfahrung«

zuleiberücken, etwa indem er später noch – weil er in Wirklichkeit keine Ahnung hat, was gekoppelte (!) nicht-lineare (!!) chaotische (!!!) Systeme sind – mit einem kurzen Blick seines ideologiekritisch geschulten Auges eine von allen anderen verkannte Konvergenz auszumachen meint, die

»den entwarnenden Schluss nahelegt, immer mehr CO2 führe zu immer geringeren Temperaturzunahmen (und zwar gen Null tendierend), weshalb man die anthropogenen CO2-Emissionen recht bedenkenlos sogar vermehren könnte.«

Aber bereits in diesem Abschnitt widerspricht er seiner eigenen Behauptung vom „monokausal-proportional-linearen“ (lol) Dogma, indem er feststellt, dass

»es der IPCC seit seinem 2013 erschienenen fünften Sachstandsbericht für „extrem wahrscheinlich“ hält, dass die Menschen per von ihnen verursachten CO2-Ausstoßes […] für mehr als 50 Prozent der beobachteten Erwärmung verantwortlich sind,«

was offensichtlich unverträglich mit einer vermeintlich behaupteten Monokausalität ist. Überhaupt sind ihm solche verbalisierten Wahrscheinlichkeitsangaben suspekt, an anderer Stelle fügt er die Bemerkung

»wie auch immer diese Schätzung zustande kommt«

an, die ihn offenbar selbst nicht interessiert, sonst hätte er sich mit Modellierung befasst, statt das vorliegende Dokument der Ahnungslosigkeit abzufassen. Hätte er im dritten Sachstandsbericht der IPCC (S. 774) auch nur einen Satz weitergelesen, hätte er lesen können:

»The most we can expect to achieve is the prediction of the probability distribution of the system’s future possible states by the generation of ensembles of model solutions. This reduces climate change to the discernment of significant differences in the statistics of such ensembles.«

(Das setzt natürlich voraus, er hätte den Bericht überhaupt im Original gelesen. Wer den o. g. Halbsatz – ohne die von Maul eingefügten Ausrufezeichen, die suggerieren sollen, er würde kraft seiner Wachheit dem Satz eine tiefere Wahrheit entlocken, die den per definitionem völlig verblödeten Klimagläubigen ansonsten entginge – in eine Suchmaschine eingibt, kann leicht erahnen, dass diese heroische Entlarvung des Klimaschwindels nicht Mauls eigenes Verdienst ist, erfreut es sich doch seit Jahren schon auf einschlägigen „alternativwissenschaftlichen“ Blogs und „freigeistigen“ Medien ausgesprochener Beliebtheit. Immerhin verlässt er sich bei seiner Recherche nicht auf Wikipedia allein.)

Es werden also unterschiedliche Szenarien modelliert und versucht, die Wahrscheinlichkeiten verschiedener Entwicklungen abzuschätzen – eben weil das System sehr komplex ist. „[G]renzenlos irrsinnig“ für Maul ist, dass vor dem Hintergrund dieser mit recht großen Unsicherheiten behafteten Ergebnisse der Klimaforschung politische Ziele formuliert werden, die genauer beziffert werden als die Wissenschaft Vorhersagen liefern kann. Politik ist aber keine Wissenschaft, was ihm eigentlich sympathisch sein müsste, denn von letzterer versteht er offenkundig nichts. Wird die politische Zielmarke um 1,0 °C höher angegeben, bedeutet das nicht, dass eine magische CO2-Maschine angeworfen werden soll, um exakt bei dieser Zielmarke zu landen, sondern einfach, dass die politischen Anstrengungen zur Minderung des Treibhausgasausstoßes geringer ausfallen, nicht unbedingt „monokausal-proportional-linear“, aber doch geringer, als wenn sie um 0,5 °C höher ausgegeben würde.

Zwar gibt es unterschiedliche Modelle und damit unterschiedliche Einschätzungen, welche Szenarien wie wahrscheinlich sind. Dass eine Klimaerwärmung stattfindet und dass die Emission von Treibhausgasen und insbesondere von CO2 darauf eine beträchtliche Auswirkung hat, ist in der seriösen Forschung unumstritten. Da das dem politischen Ansinnen, die CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu senken, zumindest grundsätzlich Sinnhaftigkeit verschafft, will Maul zur Rettung des Abendlands auch diese Forschung selbst diskreditieren, oder zumindest massive Fremdscham beim Versuche unterzugehen hervorrufen. Letzteres gelingt ihm insbesondere dadurch, dass er im ersten Absatz des Abschnitts „Keine Klima-Messapparaturen im 19. Jahrhundert“ deutlich macht, dass er den Unterschied ums Ganze zwischen der Heisenbergschen Unschärferelation einerseits und der Notwendigkeit, sein Messgerät richtig einzusetzen, andererseits nicht verstanden hat, und im nächsten, dass er auch noch nie etwas von Kalibrierung o. ä. gehört hat. (Von Quantenmechanik nichts zu verstehen, ist nicht ehrenrührig. „Hochnotpeinlich“ – um szeneüblichen Jargon zu gebrauchen – ist es allerdings, großmäulig mit Konzepten um sich zu schmeißen, deren Kernaussagen man nicht begreift.) Über die folgenden drei Absätze hiweg zweifelt er Temperaturbestimmungen an (nach seinen Vorstellungen ohnehin praktisch unmöglich, denn unter

»fünf- bis zwanzigtausend technisch identisch ausgestattete[n] Wetterstationen – ihren Abstand betreffend gleichmäßig über die Erdfläche verteilt –«

macht er’s nicht). Zweifel ist ein wichtiges Element der Wissenschaft. Seriöse Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ebenfalls – mit weniger wirrer Begründung, aber seien wir nicht kleinlich – Zweifel an der Temperaturdatengrundlage hatten, haben deswegen z. B. 2010 das ambitionierte Berkeley-Earth-Projekt (finanziert u. a. von den Großindustriellen Koch Bros., die „Klimaskepsis“ in großem Stil fördern) ins Leben gerufen, das – zum Ärger der Geldgeber – die Ergebnisse des bisherigen wissenschaftlichen Konsens bestätigt und sogar verschärft hat. (Der wissenschaftliche Direktor des Projekts hat darüber, wie er seine skeptische Position nach deren Falsifizierung revidiert hat, 2012 ein lesenswertes Op-Ed in der NYT geschrieben.)

Dass die wichtigsten Referenzmessungen bzgl. der atmosphärischen CO2-Konzentration die der Messstation auf Hawaii sind, hat übrigens den einfachen Hintergrund, dass diese Messstation fernab industrieller Zentren liegt. Sie ist selbstverständlich nicht die einzige Messstation, eine andere bekannte betreibt z. B. die Scripps Institution of Oceanography in San Diego.

A propos Falsifizierung: Warum Leute, die sich sonstwas darauf einbilden, irgendwie in den Fußstapfen Adornos zu wandeln, Maul den idealistischen Quatsch vom

»traditionellen Selbstverständnis der Wissenschaft, wonach die Richtigkeit von Erkenntnissen eine Frage der Beweisführung und nicht einer Mehrheitsmeinung oder Empfindungslage sei,«

durchgehen lassen, der Popper Tränen der Rührung in die Augen treiben würde, kann ich nur vermuten. Maul führt ein Bonmot Albert Einsteins an, der auf den Versuch von hundert Nazis, ihn zu widerlegen, antwortete: „Warum einhundert? Wenn sie Recht hätten, würde ein Einziger genügen!“ So will er die Ökologiebewegung als Wiederkehr des Nationalsozialismus verstanden wissen, um dann die Klimaskeptiker mit dem Juden Albert Einstein als Opfer und Genies gleichzeitig zu identifizieren – so formuliert, dass es seine Leserschaft sowohl exakt so versteht, wie es gemeint ist, als auch, dass sie es bei Bedarf empört zurückweisen kann.

Im vierten und letzten Teil geht es immer noch weiter bergab. Er betont, er wolle nicht unterstellen,

»der vom Mainstream verfochtene Monokausalzusammenhang wäre derart umzukehren, dass erhöhte Temperaturen zu erhöhten CO2-Anteilen führen.«

Witzigerweise ist der Effekt, dass erhöhte Temperaturen tatsächlich wiederum die atmosphärische CO2-Konzentration erhöhen (weil sich in wärmerem Wasser weniger CO2 lösen kann, die CO2-Aufnahmekapazität der Ozeane also mit steigender Temperatur sinkt) sogar Bestandteil der vom Mainstream verfochtenen Modelle (nachzuschlagen bspw. im o. g. Lehrbuch). Gut, dass er an der Stelle nochmal „Monokausalzusammenhang“ gesagt hat.

Zusammenfassend schlussfolgert er, dass

»im Resultat nicht mal mehr zwingend wünschenswert bleibt, mittels politischer Maßnahmen Einfluss auf die Entwicklung der Durchschnittstemperatur der Erde zu nehmen – ganz abgesehen von möglichen ungewollten Effekten, die menschliche Eingriffe in unbegriffene, chaotische Systeme haben könnten.«

Ganz als ob es den Menschen möglich wäre, einfach nicht in dieses System einzugreifen. Peak Idealismus. We live in an ecology.

Ein Nachwort von Felix Riedel:


Ich danke Sebastién de Beauvoir sehr für seine kurze Analyse des Textes von Thomas Maul auf der „Achse des Guten“ aus naturwissenschaftlicher Sicht. An einer Stelle möchte ich sie doch erweitern: Thomas Maul ist eher kein „Wortführer“ oder Vordenker der rechtsantideutschen Antiökologie, sondern ein Mitläufer. Seine Desinformation stammt sehr offensichtlich aus dem Umfeld des rechtslibertären Thinktanks „The Heartland Institute“ und dessem deutschen Pendant EIKE, von dem die Bahamas-Autoren Jörg Huber, Tjark Kunstreich und Martin Stobbe seit Jahren „inspiriert“ werden.
Die Antiökologie der rechtsantideutschen Szene hat ältere Ursprünge als Thomas Maul und erstreckt sich heute durch das in der Redaktion vorherrschende Loyalitätsgebot auf alle ihre Glieder. Die psychologische Ursache dafür liegt vermutlich begraben in individuellen Biographien der Autoren. Will man aber einen theoretischen Mangel haftbar machen, so wäre der in einer abgestürzten Staatskritik zu verorten, einer kruden und stets überstreckten Mischung aus Ahrendt’scher und neoliberaler Staatsfeindlichkeit auf der einen und der Identifikation mit dem Rechtsstaat und teleologisch verstandener Zivilisation auf der anderen Seite, die erlaubt Konservativismus und Revolte gleichzeitig auszuleben. Das ist der ideale Nährboden für rechtslibertäre und neokonservative Propaganda, in dem letzte Reste von Marxismus und kritischer Theorie ertrinken.

Auf einer institutionellen Ebene hat man sich in der Institution Bahamas längst von der Aufklärung verabschiedet – man sucht Jünger. Und um diese von „Mehrheitsmeinungen“ abzuwerben, muss man ein Gegenweltbild erstellen, das zunächst Konformismus gegenüber der eigenen Elite durch verbale Brutalitäten einfordert und dann dadurch zwangsläufig entstehende Angst und Aggression als Revolte ständig nach außen kanalisiert. Kurz: Man will es stärker noch als die im Medium Bahamas sattsam verschriene postmoderne Wissenschaft zu wirklich allem besser wissen, auch wenn man inzwischen erwiesenermaßen zu keinem einzigen Thema mehr etwas Sinnvolles beizutragen hat. Das innerste Unbehagen über die aufklaffende Diskrepanz zwischen Ich-Ideal und allenfalls bescheidenen intellektuellen Kapazitäten und noch bescheidenerem Fachwissen wird dann mit wahnhaftem Assoziieren, mit wildem Umsichschlagen vertuscht. Deshalb präsentiert Thomas Maul, als er sich irgendwo gewahr wird, dass er nichts weiß, Anton Hofreiter als „Kettenhund“, der an „Roland Freisler“ erinnere: Also an einen von 15 Wannseekonferenz-Teilnehmern und dem Präsident des Volkgerichtshofes. Darunter macht mans nicht mehr und daran lässt sich der Zustand ablesen, der dieses Millieu erfasst hat.

Die Deckerinnerung RAF – Wie man am Mord an Walter Lübcke das Fortleben des Naziterrorismus zu verdrängen sucht.



„Der Mordfall Lübcke erinnert an die RAF“ titelt die Leipziger Volkszeitung.
Der Untertitel:“ Sollte sich bewahrheiten, dass der Regierungspräsident von Kassel von einem Rechtsextremisten erschossen worden ist, hätten wir eine neue Lage. Es wäre ein kaltblütiger rechtsextremistischer Terrorakt.“

Das könnte man noch auf die Titelei schieben, aber auch der Text schließt nach einer Erinnerung an den NSU wieder mit der Klammer RAF:
„Eine Kugel auf einen wehrlosen Mann in dessen eigenem Haus – das erinnert an die Rote Armee Fraktion und dürfte auch die vom Bundesinnenministerium geführten Sicherheitsbehörden in einen anderen Aggregatzustand versetzen. Wenn sich der schreckliche Verdacht erhärtet. “

Falsch ist daran alles. Zunächst die Behauptung einer „neuen Lage“.
Bis 1990 wurden bei Pogromen und Bombenanschlägen mindestens 43 Menschen plus eine hohe Dunkelziffer durch Nazis getötet. Seit 1990 kamen laut Zeit-Online und Tagesspiegel 169, laut Antonio-Amadeu-Stiftung 188 plus 12 Verdachtsfälle (Antonio-Amadeu-Stiftung) hinzu. (Wikipedia)
Daniel Köhler kommt seit 1971 auf 12 Entführungen, 174 bewaffnete Überfälle, 123 Sprengstoffanschläge, 2.173 Brandanschläge und 229 Morde mit rechtsextremen Motiven in Deutschland. (Deutschlandfunk)
Die Opfer der Attentate fallen in drei Gruppen: Wehrlose Individuen aus Minderheiten (Ausländer, Juden, Homosexuelle und Obdachlose), in Ungnade gefallene andere Nazis (Aussteiger, Homosexuelle) und zufällige Passanten.

Falsch ist deshalb auch, dass der Mord an Lübcke, einem politisch insgesamt unbedeutenden Regierungspräsidenten des Regierungspräsidiums Kassel, an die RAF erinnern würde.
Die RAF hatte maximal 33 Personen ermordet oder getötet, einige der darin enthaltenen Attentate bleiben ungeklärt. Ihre Opfer sind US-Soldaten, Polizisten (insb. bei Festnahmeversuchen), Fahrer und andere Unbeteiligte, Großunternehmer, Altnazis. Mehrheitlich wurden Menschen getötet oder ermordet, die selbst eine Waffe trugen oder zur Elite gehörten.

Lübcke zog sich allein Hass von Rechts zu mit seiner Rede zur Eröffnung einer Erstaufnahmeunterkunft, in der er die Pflicht zur Hilfe verteidigte:
„Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen.“

Natürlich meinte er damit nicht seine Parteigenossen aus CDU/CSU, die dafür sorgten, dass nicht Deutsche, sondern Geflüchtete aus Afghanistan das Land verließen und zahllose Geflüchtete aus Nigeria, Mali, Burkina Faso, Eritrea, Sudan, Syrien, Irak und der zentralafrikanischen Republik Deutschland gar nicht erreichen konnten. Es reichte aber für einen Shitstorm von Nazis, die mit der Möglichkeit des Kosmopolitismus als Privileg eines deutschen Passes konfrontiert wurden.

Was die bisherigen Spuren offenbar nahe legen, ist das Fortleben von rechtsterroristischer Aktivität. Das ist auch kein Wunder, da Nazis ihrer Definition nach auf Terrorismus abzielen. Und da selbst der NSU für seine Morde belohnt wurde, weil die rechtsextremen Parteien europaweit auf dem Vormarsch sind, weil ihre politische Forderung nach der Abschottung Europas längst durch die Mehrheitsparteien umgesetzt wurde, verwundert es nicht, dass andere Nazis der Strategie des NSU folgen, der bereits selbst nur die Strategie von anderen Nazis verfolgte.

Ihre Erfolgschancen konnten Nazis stets am Jargon der Presse ablesen. Ein Beispiel: die Umbenennung einer Studie über den Extremismus der Mitte in „Asylstudie“ durch die Springer-Medien.
„Gabriel kritisiert Asyl-Studie von SPD-naher Stiftung sehr deutlich.“ (Welt)
„ZDF-Kleber entlarvt Asyl-Studie.“ (Bild)
Und natürlich greift die Junge Freiheit die Steilvorlage auf:
„Gabriel attackiert Asyl-Studie von SPD-naher Stiftung.“ (Junge Freiheit)

Das Negative, der Extremismus der Mitte, wurde durch eine Plombe ersetzt: Asyl. Eine Täter-Opfer-Umkehr in Reinform. All das Negative der Bereitschaft zum Tätertum in der Mitte, das die Studie kritisch offenlegt, heftet sich nun an das Positive und Angegriffene, nämlich Asyl. Deutsche CDU/CSU-Politik seit 1990 zielte darauf ab, das Recht auf Asyl zu vernichten. Diese stete Steigbügelhalterpolitik für die Neonazis auf der Straße ist wesentlich daran schuld, dass Nazis, die vorerst wahrscheinlichsten Täter im Mordfall Lübcke, das als Motivation nahmen, jemanden, der selbst als CDU-Mann noch das Recht auf Asyl verteidigte, zu vernichten. Sie können aller historischer Erfahrung nach erwarten, dafür belohnt zu werden. Vorerst damit, dass über die RAF anstatt über den NSU gesprochen wird. In eben der gleichen Manier hat die CDU/CSU selbst stets den Linksextremismus als Gegner überzeichnet, um darüber den Nazismus zu verniedlichen und zu vergessen. Dieser Vorgang hängt mit der Tat wesentlich zusammen und der Mörder kann sich darauf verlassen, dass sich daran nichts ändern wird, sondern dass stattdessen Angst die letzten kläglichen Reste von moralischem Empfinden und christlicher Ethik in der CDU/CSU abtöten wird. Die Springerpresse wird derweil den Mord an Lübcke aller historischen Erfahrung nach als „Asyl-Mord“ bezeichnen.


Liberaler Klimaschutz



„Als eine weitere Maßnahme gegen den Klimawandel sollte Deutschland regelmäßig Regenwald-Stücke in Lateinamerika, Afrika oder Asien kaufen und schützen. Wir geben hierzulande allein rund 28 Milliarden für die Förderung der erneuerbaren Energien aus. Dem Klima bringt dies jedoch nichts. Schon für einen Bruchteil dieser Summe könnte man eine große Menge Regenwald erwerben – ein sehr einfaches Rezept, mit dem Deutschland einen globalen Beitrag gegen den Klimawandel leisten könnte.“


Das fordert die FDP auf ihrer Website zum Klimaschutz unter dem Motto „global statt national handeln„.

So unverschämt muss man erst einmal sein. Als der FDP-Mann Dirk Niebel sich anschickte, im subsaharischen Afrika Entwicklung voranzutreiben, entstand ein von Europa kontrolliertes und finanziertes Grenzregime, das die Freizügigkeit innerhalb Afrikas drastisch einschränkt und Flüchtlinge bereits in Eritrea am fliehen hindert. (s. Jakob/Schlindwein: Diktatoren als Türsteher Europas)
Der Karthoum-Prozess versprach das Blaue vom Himmel, belebte aber vor allem die kolonialen Grenzen wieder. Nun droht Lindner damit, Afrika ein vergleichbares Wirtschaftswunder verpassen: Afrika werde „mit unserer Hilfe zum Kontinent des blauen Wachstums ohne Ressourcenverbrauch werden.“ (dpa)

Wie Afrika das „blaue Wachstum“ schaffen soll, zu dem Deutschland nicht im Geringsten in der Lage ist, darüber schweigt sich Lindner natürlich aus. Daher denken wir das einmal durch: Wenn die FDP Regenwald „retten“ will, und dafür 28 Milliarden Euro im Jahr zur Verfügung hat, ist folgendes Szenario erwartbar: An staatliche oder private Landeigner wird Geld zum Kauf von Regenwald überwiesen. Daran stoßen sich dann ganz bestimmte Parteien und Regierungen gesund, die Land, das mit einiger Sicherheit ohnehin bereits Schutzstatus hält, noch einmal an Deutschland „verkaufen“. Damit das von den ursprünglichen Landbesitzern wie Kleinbauern oder Indigenen „bedrohte“ Land dann nicht zufällig doch ausgebeutet wird, muss es von diesen Regierungen geschützt werden – der Schutz des Eigentums ist schließlich die wichtigste Staatsaufgabe im liberalen Weltbild. Daher fallen dann Kosten für den „Schutz“ an. Das Personal braucht effektive Rüstung aus Deutschland: Nachtsichtgeräte, Zielfernrohre, Schlagstöcke, Helme, Infrarotgerät, Hubschrauber, zufällig alles Dinge, die für die Grenzsicherung und zur Abwehr von Fluchtbewegungen, aber auch für die Niederschlagung von Streiks gebraucht werden. Schließlich gefährden auch Streiks das Wirtschaftswachstum und dazu hat FDP-Chef Lindner eine ganz eigene Meinung:


„Nur mit Investitionen in anderen Teilen der Welt lasse sich dasKlima effektiv schützen, erklärte Lindner. Eine Perspektive ohne Wachstum sehe er dagegen nicht. Wachstum liege in der Natur des Menschen. „Wachstum und damit den Gestaltungswillen zu strangulieren wäre antihumanistisch.“

https://www.welt.de/politik/deutschland/article181229064/Lindners-Klimaschutz-Vorschlag-Kein-Kolonialismus-Deutschland-sollte-Regenwald-in-Asien-kaufen.html

Denken wir das Ganze weiter, wird Deutschland also anstatt seine Braunkohle und Steinkohle und seinen Ressourcenverbrauch einzuschränken einfach immer mehr Regenwald kaufen. Eine Spitzenidee mit nur wenigen rechtlichen Problemen, die aber zum einen den Marktpreis für Regenwald rasch in die Höhe treiben wird, zum Anderen Privatpersonen und Unternehmen in ihrem Wachstum einschränkt, die bislang an der Abholzung des Regenwaldes profitiert haben. Also Bauern, die aus Südamerika Soja beziehen, Eigenheimbesitzer, die ihre Terrassen mit Tropenholz beplanken, Autobauer, die seltene Metalle aus dem Regenwald brauchen, Autofahrer, die mittels Marktpreis zumindest indirekt auf die Förderung von Öl aus Nigeria und Venezuela angewiesen sind. Schließlich entscheidet sich Deutschland im Angesicht der Krise, mit „seinem“ Regenwald eben doch so zu verfahren, wie es der Markt will: ihn auszubeuten.

2018 schlägt die FDP also vor, den Regenwald zu kaufen. Um 1988 herum kaufte ich zwei Micky-Maus-Hefte, um 20 m² Regenwald zu besitzen. Die Besitzurkunden sind irgendwann im Müll gelandet – vermutlich ebenso wie die 20m² Regenwald. Habe ich für 50 Pfennig 20 m² Regenwald gekauft? Oder für damals etwa fünf Mark zwei Micky-Maus-Hefte? Die Suche zu „Micky-Maus Regenwald“ oder „Mickey Mouse Rainforest“ ergibt nichts Brauchbares. Spulen wir noch einmal zwanzig Jahre vor:
2008 stand zur Debatte, ob Deutschland Ecuador entschädigt für Ölförderung im Regenwald. Wer das Ganze torpedierte, war ein FDP-Mann: Dirk Niebel. Genauer: Die gesamte FDP-Fraktion stellte sich quer mit dem Argument: „Präzedenzwirkung im Hinblick auf Kompensationsforderungen der erdölproduzierenden Länder in den Klimaverhandlungen.“

Kurz: Man befürchtete, dass andere Länder nun Geld fordern, dafür, dass sie auf Erdölförderung verzichten. Was motivierte die FDP weitere zehn Jahre später zu einem kompletten Umschwenken? Intern müssen große Schlachten geschlagen worden sein. Oder aber, es gab gar kein Umdenken und der Vorschlag dient ausschließlich dazu, die Abkehr von Braunkohle und Steinkohle zu sabotieren mit einer Schimäre, wie es eigentlich anders gehen könnte. Wenn es jedoch zusätzlich zum Kohleausstieg anders gehen soll, wird man mit Sicherheit nicht auf die Stimmen der FDP rechnen können.
Die FDP Münsterland verbreitet derweil Fake-News, wie in der liberalen „Profi“-Szene üblich:

„Im Ausschuss outeten sich SPD und Grüne: Sie wollen den Fleischkonsum drastisch reduzieren – das ist eine Politik vorbei am Verbraucher. Und klimaschädlich ist das auch. Denn in Brasilien wird der Anbau von Nahrungspflanzen u.a. auf Waldflächen verdrängt.“




Kinder, Klima, Klassenkampf

Verena Brunschweiger bringt den Antinatalismus, also die Philosophie, dass Existenz Leiden ist und der Mensch mit Kindern Leid erzeugt, auf deutsches Niveau: Sie kombiniert ihn mit Nützlichkeitsdenken und implizitem Rassismus.

Wenn Kinder an der Klimakatastrophe schuld sind und nicht die Erwachsenen, die sie hervorbringen, dann ist logisch, dass jene am meisten Schuld tragen, die viele Kinder bekommen. Brunschweiger hält zwar noch inne und benennt den Unterschied zwischen Kindern in Afrika und Kindern in Deutschland. Aber kinderreich sind auch in Deutschland vor allem die unteren Schichten und Minderheiten.
Also nicht die tendenziell kinderlosen AkademikerInnen, die mehrheitlich irrelevanten Unsinn zusammenforschen anstatt zur Aufklärung beizutragen. Auch nicht die tendenziell kinderlosen ManagerInnen, die den Raubbau an Natur organisieren und mit Spenden an reaktionäre Parteien für die ideologische Begleitung des Raubbaus sorgen. Auch nicht die RentnerInnen, die alleine auf 200 Quadratmetern leben und ihr Lebtag Parteien gewählt haben, die jede Anstrengung hin zu einer vernünftigen Gesellschaft in konservativem Sumpf erstickten. Und auch nicht die Lehrerinnen und Lehrer, die als bedeutende Mittelstandsschicht in größerem Ausmaß verantwortlich ist für ökologisch tote und überdimensionierte Neubaugebiete.

Die kinderreichen Familien würden sich, so Brunschweiger, die Kinder von Kinderlosen „finanzieren lassen“, als wäre es nicht umgekehrt. Menschen ohne Kinder würden bei der Stellenvergabe disrkiminiert – offenbar hat sie sich noch nie an einer Universität oder in der freien Wirtschaft beworben. Auch ansonsten leidet sie als Kinderlose schwer:

„Vor ein paar Jahren musste ich zum Beispiel aus meiner Wohnung ausziehen, weil die Familie über mir ständig Krach gemacht hat. Die Eltern hatten ihre drei Kinder, die in der Wohnung Fußball spielten und immer herumschrien, einfach nicht im Griff. Insofern möchte ich die Eltern, für die Ihr Kind der größte Schatz ist, der sich alles erlauben kann und schlicht unerzogen ist, einfach mal dazu einladen, sich stärker über ihre Pflichten als Eltern, nämlich einer angemessenen Erziehung, bewusst zu werden, damit am Ende ein sozialverträglicheres Miteinander herauskommt.“

Das ist nicht Feminismus, nicht Solidarität mit Frauen in Reproduktionsarbeit – das ist Verachtung dieser Frauen, zumal solcher, die zu liberaler Erziehung in der Lage sind. Im gleichen Tenor will sie von Fluggesellschaften für Kindergeschrei entschädigt werden.
Brunschweiger fördert mit diesem Ressentiment gegen das laute Kind einen gesellschaftlichen Druck auf Mütter, ihre Kinder mit Smartphones und Süßigkeiten still zu stellen. Das schreiende Kind gilt als Zeichen schlechter Erziehung. Dann wirft sie jenen Kindern vor, verwöhnt zu sein – dabei sind es die Erwachsenen, die Kinder nicht mehr aushalten können.

Brunschweigers zentrale Leistung dürfte sein, kinderlosen Menschen ein gutes Gewissen zu bereiten: Schließlich erzeuge ein Kind im Jahr soviel CO², dass ein Transatlantikflug dagegen Peanuts ist. So kann man aus den Shopping-Malls in New York die Großfamilien verachten und sich zum Klimaschützer erklären.

Bürgerlicher Reformismus trägt ihre Vorstellung, man könne die Gesellschaft rascher gesundschrumpfen als ihren Umbau in eine vernünftige zu gestalten, in der Menschen weder aus Not Kinder bekommen noch Kindern Not aufbürden. Brunschweiger rechnet einfach 42 Millionen Menschen als Überbevölkerung:

„Für Deutschland zum Beispiel wäre eine Bevölkerung von circa 38 Millionen optimal, was die Biokapazität bzw. den ökologischen Fußabdruck betrifft.“

So ein Gesundschrumpfen kann man sich nur vorstellen, wenn man davon ausgeht, dass Abschottung der derweil weiter wachsenden Gesellschaften weiter funktioniert. Selbstverständlich will sie vom Gesundschrumpfen nicht betroffen sein, sondern profitieren: mit 50,000 Euro, die sie wie andere kinderlose Frauen erhalten soll. Soviel zum bürgerlichen Egoismus: Stets geht es um den Gewinn an der Sache. Anstatt Mütter mit Kindern zu unterstützen, sollen also diejenigen ohne Kinder belohnt werden. Das macht aus einem Solidarprinzip ein reaktionäres Bestrafungs- und Belohnungssystem.

Kindergeld ist keine Mutterprämie, sondern geringwertiger Ausgleich für gesellschaftliche Reproduktionsarbeit. Der Staat überlässt prinzipiell die Entscheidung den Einzelnen, stellt auch keine wesentlichen Anreize, leistet aber auf jahrzehntelangen gewerkschaftlichen und feministischen Druck hin einige Ausgleichszahlungen, für die das Kindergeld steht. Das ist ein hochgradig defizitärer, aber gewerkschaftlich vermittelter Vorgang und damit grundverschieden von den Mutterprämien, die Viktor Orban auslobt, um eine rein „ungarische“ Bevölkerung zu mehren.

Brunschweigers Volte gegen die klimaschädlichen Kinder kommt nicht von ungefähr: Seit Wochen streiken Schülerinnen und Schüler gegen die Katastrophe, die ihnen aufgebürdet wird. Dass sie einen Klassenkampf führen, haben die Erwachsenen längst erkannt. Solidaritätsbekundungen bleiben beim betulichen Tätscheln, anstatt sich den Schülerinnen und Schülern zu einem Generalstreik anzuschließen. Hämisch erinnert man sie an die Schulpflicht – als würden AkademikerInnen und LehrerInnen ihre Pflicht erfüllen und den Kindern auf Grundlage besserer Erkenntnis die Arbeit der Reform abnehmen. Ebenso hämisch macht man sie auf den eigenen Konsum aufmerksam – als würden die Erwachsenen etwas an ihrem ändern. Und nicht minder hämisch ist daher Brunschweigers Klage über klimaschädliche Kinder, deren CO²-Ausstoß und ihre schlechte Erziehung. Sie passt in den Klassenkampf von oben, der heute einer der Älteren gegen die Kinder wird.

Quelle: Interview Brunberger im Fokus: https://www.focus.de/familie/kind/keine-kinder-wegen-der-umwelt-jetzt-legt-die-lehrerin-nach-mit-steilen-thesen_id_10421302.html?rnd=a8912c1ed39d9b69db2a646907926737


Oh Broder, where art thou?

Henryk M. Broder hat sich der Form nach als konsequenter Liberaler verhalten, als er vor der AFD sprach. In dem was er dort sagte, hat er sich aber wie längst gewohnt, als neurechter Agitator erwiesen. Gegen das berechnende Kalkül von „Welt“ und „Achgut“, die nun stolz den wahren, vermeintlich missverstandenen und vermeintlich liberalen Text von Broders Rede publizieren, gestehe ich jedem zu, der AFD die Leviten zu lesen und stelle aber fest, dass Broder genau das nicht getan hat. Seine recht harmlose Schelte von ohnehin unbelehrbaren Nazis in der AFD verpackte er in soviel Bestätigung des neurechten Weltbildes, dass die stürmische Umarmung von Alice Weidel nur konsequent war.

Broder liefert im ersten Teil der Rede, „zum Aufwärmen“, ein Projektionsziel, von dem er weiß, dass es dem neurechten Publikum passt, weil sie sich nicht wehren kann: Greta Thunberg. Und das schreibt er:

Neu ist nur, dass das Klima zum Fetisch der Aufgeklärten geworden ist, die weder an Jesus, noch an Moses oder Mohammed glauben. Dazu hat bereits der britische Schriftsteller Edgar Keith Chesterton, der Erfinder von Pater Brown, das Richtige gesagt: „Seit die Menschen nicht mehr an Gott glauben, glauben sie nicht an nichts, sie glauben allen möglichen Unsinn.“
Der weltweite Hype um eine 16-jährige Schwedin, die sich für eine Wiedergängerin von Jeanne d’Arc hält, hat das in diesen Tagen wieder bewiesen.


Der menschengemachte Klimawandel als Unsinn, das ist nichts Neues auf AchGut. Neu ist, dass man eine Jugendliche braucht, um das eigene ideologische Elend zu projizieren. Broder behauptet, sie halte sich für eine Wiedergängerin von Jeanne d’Arc. Aber nicht sie selbst, sondern AchGut-Autoren wie Thomas Rietzschel bezeichnen Greta Thunberg mit erheblichem Lustgewinn als Jeanne d’Arc und drohen ihr mit dem Scheiterhaufen. Broder reicht das nicht, er möchte ihre Aktivität als „Kindesmissbrauch“ verfolgt sehen:

Ich bin für eine Verschärfung des Tatbestands „Kindesmissbrauch“, um auch solche Fälle verfolgen zu können, wie den der bereits erwähnten Greta aus Schweden, die von den Klimarettern zur Ikone ihrer Bewegung erkoren wurde.

Warum Broder vor der AFD hier eine 16-jährige erst als Gegnerin, dann als Opfer von Kindesmissbrauch inszeniert, ist aus propagandistischer Sicht logisch: Er objektiviert sie zunächst, um ihr für alte Männer und autoritär geprägte Frauen beängstigendes Selbstbewusstsein lächerlich zu machen, und dann die entstandene Aggression auf jene zu lenken, die Greta Thunberg angeblich „missbrauchen“ würden.

Natürlich führt der Anblick einer größeren Zahl aktivistischer, für ihre Interessen streikenden Kinder zu reflexhafter Abwehr, die sich in reaktionären Ressentiments artikuliert. Diese SchülerInnen erkennen schließlich den transgenerationalen Klassenkampf, den der Kapitalismus als Raubbau gegen die nachkommenden Generationen führt. Und da die AFD die Einheit von nationalistischer Restauration und kapitalistischer Expansion erzwingen will, ist sie auf die Imagination vermeintlicher fremder und personifizierter Krisenursachen (Geflüchtete) ebenso angewiesen wie auf die ökoromantische Leugnung von Schranken der Ausbeutung natürlicher Ressourcen.

Um bei der durchaus sinnigen Rede von Ersatzreligionen zu bleiben: Broders Achse des Guten wie auch die AFD und die ihr verwandte FDP sehen in Natur eine Art ewig gebende Göttin. Der Verweis auf die Endlichkeit und Schwäche und damit Profanität von Natur ist aus dieser Perspektive Gotteslästerung. Die Rede von Jeanne d’Arc und Scheiterhaufen ist damit gar nicht so unernst gemeint, wie es klingt. Die Anhänger der kruden Religion vom krisenfreien Kapitalismus ohne natürliche Schranken, der Nationalstaat und Expansion, autoritären Staat und Liberalismus versöhnt, diese Dogmatiker machen ihr in allen Foren virtuell die Hölle heiß, und auch Achgut lässt es sich nicht nehmen, sie als Kranke, Leidende, Schwache und Manipulierbare zu verhöhnen. Broder gab der AFD mehr, als er ihr nahm: die Bestätigung ihrer Ideologie, bei allfälligem Schimpfen auf extremistische Auswüchse.

Broder hatte seinen Höhenflug in einer Publikation: „Der ewige Antisemit“. Zwanzig Jahre vor dem Aufkommen von prozionistischen Blogs hat er eine tiefe, materialreiche Kritik an antiisraelischer Medienkultur abgeliefert. Bewundernswert waren manche seiner gar nicht so satirischen Reduktionen, mit denen er im deutschen Feullieton zu glänzen vermochte. Dass sich seine Ideen seit Längerem mit neurechten Ideologen überschneiden, ist mitnichten ein Anbiedern, wie es fälschlich unterstellt wird, es ist auch nicht Identifikation mit dem Aggressor, es ist einfach Verfall in eitlen Altherren-Gestus, ins Bescheidwissertum.


Der Erfolg des Antisemitismus in der American Anthropological Association (AAA)

Ich mache hier das Flugblatt zum Erfolg der BDS-Bewegung in der American Anthropological Association und den Antragstext meines Antrages zur DGV-Tagung 2017 öffentlich zugänglich:

Ethnologie_BDS

Da die Vorgänge über Jahre hinweg zu keinerlei Reaktion von Seiten der deutschen Ethnologie führten, habe ich als nicht institutionell eingebundener, freiberuflicher Ethnologe folgenden Antrag bei der DGV-Tagung 2017 in Berlin gestellt. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt:

Antrag: „Verurteilung der antiisraelischen Agitation in der American Anthropological Association“

Auf der Mitgliederversammlung (2017) der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde soll folgende Resolution beschlossen werden:
Die Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (DGV) verlautbart große Sorge über die anhaltenden Forderungen nach der Ausgrenzung von israelischen akademischen Institutionen durch einen großen Teil der Mitglieder der AAA. Die Mitgliederversammlung fordert Vorstand und Mitglieder der AAA auf, wissenschaftliche und wissenschaftsethische Standards in der geschichtswissenschaftlichen und konfliktethnologischen Forschung einzuhalten, die in dem „Task-Force“-Bericht über Israel verletzt werden. Die DGV bekennt sich zu ihrer Verpflichtung zu Kooperation und solidarischen Unterstützung israelischer akademischer Institutionen gerade auch dort, wo deren Forschungen an der militärischen Selbstverteidigung gegen die ständige existentielle Bedrohung der Einwohner Israels durch islamistische Guerillas und Regimes teilhaben.

Begründung:

Mehr als 1100 Ethnologen haben online die Forderung nach einem Boykott Israels unterzeichnet.[1] Als Reaktion darauf erschien am 1.10.2015 im Auftrag der AAA der „Report to the Executive Board – The Task Force on AAA Engagement on Israel-Palestine“[2]. Der Bericht entstand auf Grundlage von 120 Interviews[3], davon wurden in Israel und dem Westjordanland 100 binnen 10 Tagen im Mai 2015 aufgenommen.
Der Bericht enthält keine wissenschaftlichen Standards entsprechende konfliktethnologische Ursachenanalyse. Er stellt die israelische Politik als einziges Hindernis akademischer Freiheit im Westjordanland und Gaza dar, Einschränkungen des israelischen und palästinensischen Universitätsbetriebes durch den Terror von Hamas, Fatah und PFLP bleiben unberücksichtigt. Der Antisemitismus von Fatah, Hamas und PFLP, den größten organisierten Gruppen, wird nicht als Konfliktursache erwähnt. Polizeiliche Restriktionen infolge des alltäglichen Terrorismus erscheinen als böse Absicht eines israelischen „settler-colonialism“. Die Funktion Israels als jüdischer Staat beinhaltet jedoch nicht die zwangsläufige Diskriminierung anderer Nationalitäten im Inland, sondern im Gegensatz dazu die Verpflichtung zur Integration von Jüdinnen und Juden jedweder Nationalität, und damit eine über andere Nationalstaaten hinausgehende Offenheit. Die Bewegung zur Schaffung einer jüdischen Heimstatt, der Zionismus, ist Reaktion auf zwei Jahrtausende der Diskriminierung und Pogrome. Sie kann keiner ernsthaften konfliktethnologischen Analyse sinnhaft mit dem Kolonialrassismus (Apartheid, Siedlerkolonialismus) gleichgesetzt werden, wie das der Task-Force Bericht der AAA zugrundelegt.
Die Quellenauswahl ist stark gefärbt und berücksichtigt weder wissenschaftliche Standardwerke zum Konflikt noch die Position der israelischen Konfliktpartei. An drei Stellen wird die israelische Politik mit den Methoden der Nationalsozialisten gleichgesetzt.[4] Es wird zudem fälschlich unterstellt, das palästinensische Territorium sei um „90%“ gesunken.[5] Es fehlt schlussendlich eine Einordnung der Verhältnismäßigkeit eines Boykotts akademischer Institutionen. Sobald dieses Mittel etabliert wird, ist jede Forschung einer erfolgreichen kollektivierenden Boykottkampagne ausgesetzt (z.B. als Mittel gegen Diktaturen, der land-grab, die Gefängniskultur in den USA, die Flüchtlingspolitik der EU, den Raubbau im Trikont). Der Fokus auf den ohne eigenes Risiko auszugrenzenden Kleinstaat Israel dient zur Projektion von größeren Problemen unter anderem in den USA und Europa.

Als Reaktion auf den Bericht hat am 20.11.2015 eine Versammlung der AAA einen Boykott israelischer akademischer Institutionen mit einer Stimmenmehrheit von 1040-136 gefordert. Die Resolution wurde in einer Urwahl bis zum am 31.5.2016 knapp abgelehnt mit 2,423 zu 2,384 Stimmen. Die Führung der AAA hat dennoch eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet, die im Sinne der Resolution von der israelischen Politik unverhältnismäßige Maßnahmen (etwa den Abbau von Checkpoints und Sicherheitsmaßnahmen) fordern.[6]

Die DGV hat eine dreifache Verantwortung, sich öffentlich gegen jeden Ruf nach einem Boykott Israels auszusprechen. Sie ist erstens an der Wahrung wissenschaftlicher Standards interessiert, die durch die kritiklose Annahme des Task-Force-Berichts durch die AAA verletzt wurden. Sie ist zweitens aus grundlegenden ethischen Gründen zur Solidarität mit dem jüdischen Staat gegen eine genozidale Bedrohung durch islamistische Bewegungen verpflichtet. Sie steht drittens als deutsche Ethnologie in besonderer Verantwortung, gegen aktuelle und künftige Bedrohungen des jüdischen Staates durch den modernisierten Antisemitismus Stellung zu beziehen.

 

 

[1] https://anthroboycott.wordpress.com/signatories/.

[2] Perez, Ramona/Besnier,  Niko/Clarkin, Patrick et alii 2015: Report to the Executive Board. The Task-Force on AAA-Engagement on Israel-Palestine. Via:  http://s3.amazonaws.com/rdcms-aaa/files/production/public/FileDownloads/151001-AAA-Task-Force-Israel-Palestine.pdf.

[3] Task-Force-Report: 5.

[4] „creating a system of oppression with echoes of the very system they had managed to escape.“ Task-Force-Report: 71.
„Israelis have their own powerful claims to victimhood and the irony of a situation in which they have recreated some of the same forms of victimization to which they were subjected.“ Task-Force-Report: 15.
„Concentration Camp“. Task-Force-Report: 18.

[5] „Palästinian Territory has shrunk by about 90%.“ Task-Force-Report: 15.

 

[6] S. Waterston, Alisse 24.6.2016: http://www.americananthro.org/ParticipateAndAdvocate/AdvocacyDetail.aspx?ItemNumber=20835&navItemNumber=592-

Arbeitsbedingungen in der Ethnologie

Als Handreichung für Studierende und Nachwuchswissenschaftler mache ich diesen Text zugänglich:

Arbeitsbedingungen in der Ethnologie.pdf

 

Zur Kontextualisierung: Die folgenden, von mir eingebrachten Anträge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Ethnologie wurden von der Mitgliederversammlung der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde 2017 abgelehnt. Hier die ungekürzten Antragstexte:

 

Antrag: „Öffentliche Forderung nach einer Sonderstellung für ethnologische Forschungen“

Auf der Mitgliederversammlung (2017) der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde soll folgende Resolution beschlossen werden:

Die Mitgliederversammlung der DGV fordert private und öffentliche Institutionen zur Wissenschaftsfinanzierung (Deutsche Forschungsgesellschaft, Parteienstiftungen, Volkswagenstiftung, etc.) öffentlich auf,

  1. die Qualität ethnologischer Forschungen durch Anerkennung der besonderen Voraussetzungen sicher zu stellen und bei Promotionsforschungen pauschal den spezifischen Mehraufwand von ethnologischen Forschungen mit mindestens einem zusätzlichen Jahr Literaturrecherche und
  2. mindestens einem zusätzlichen Jahr Feldforschungsstipendien zu gewährleisten;
  3. sowie die Förderungsdauer für Promotionen auf mindestens 5,5 Jahre, die durchschnittliche Dauer geisteswissenschaftlicher Promotionen, anzuheben.

Begründung: Ethnographische Forschungen erfordern im Durchschnitt ein höheres Maß an Vorbereitung als Forschungen im Durchschnitt der anderen Fächer. Der Erwerb einer fremden Sprache wird allgemein mit zwei Jahren veranschlagt. In Regionen mit überlappenden Sprachen ohne linguistisches Grundlagenwerk oder mit komplexer Schrift wird der Spracherwerb zusätzlich erschwert. Die gründliche Kenntnis einer Region und Gesellschaft sind unabdingbar, um vorschnelle Urteile und falsche Handlungsanweisungen zu vermeiden. Das Einlesen in eine fremde Landes- und Regionalgeschichte erfordert zusätzliche Akribie, um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Die Multifaktorialität insbesondere von konfliktanthropologischen Themen erfordert eine sehr gute Kenntnis allgemeiner theoretischer Grundlagen und lokal- und themenspezifisch Fachwissen in Philosophie, Psychologie, Ökologie, Medizin. Der für die Ethnologie charakteristische Dialog zwischen  Mikro- und Makroebene kann nicht annähernd mit geisteswissenschaftlichen Arbeiten in eigener Sprache und im eigenen Land verglichen werden. Feldforschung entfernt zudem von Netzwerken, Tagungen, Institutskultur. Gerade deshalb muss eine längerfristige Sicherheit für ethnologische Promotionsforschungen gewährleistet sein.

 

Antrag: „Schaffung eines humanitären Budgets für ethnologische Forschungen in prekären Verhältnissen“

Die Mitgliederversammlung (2017) der DGV fordert die DFG und vergleichbare Forschungsinstitutionen öffentlich auf, ein humanitäres Budget für Forschungen in prekären Verhältnissen bereit zu stellen, das auch nach der Forschung und nach einem Ende des Beschäftigungsverhältnisses abrufbar bleibt.

Begründung: Für Forschende aus Industrieländern bedeutet das Leben in einer Gesellschaft mit einer um bis zu 30 Jahren verringerter Lebenserwartung eine Vielzahl von existentiellen Entscheidungen. Wo das Überleben von SchlüsselinformantInnen nicht gesichert ist und staatliche Institutionen auf absehbare Zeit versagen wird den Forschenden aufgebürdet, zwischen dem wahrscheinlichen Tod und Krankheit von Informanten und der eigenständigen Übernahme der Kosten von Krankenhausaufenthalten und Nahrung zu wählen. Diese Situation zwingt Forschende entweder in eine altruistische, selbstschädigende oder in eine zynische Position.
Die DGV setzt einen Ausschuss ein, der einen Richtwert für ein abrufbares humanitäres Budget ermittelt. Dafür müssen Forschungsgegenstand und Region einer spezifischen Prüfung unterzogen werden. Ein Teil des Budgets soll langfristig verfügbar sein: Ethnographie erlaubt keine Forschung im Anonymen, sondern beruht auf der Bildung langfristiger sozialer Bande mit den ForschungspartnerInnen, deren spätere Krisen auch nach Ende der Feldforschung noch Dringlichkeit haben und deren Verantwortung direkte Folge der Forschung ist.

 

Antrag: „Ermittlung und Anerkennung von Berufskrankheiten und Berufsrisiken von EthnologInnen.“

Die Mitgliederversammlung (2017) der DGV beschließt:

Die DGV ruft EthnologInnen öffentlich dazu auf, Daten und Schriften zu übermitteln, die einen Rückschluss auf Todesursachen und berufsgefährdende Erkrankungen unter EthnologInnen ermöglichen. Die Daten werden einer vom DGV-Vorstand zu ermittelnden medizinischen Forschungsgruppe übermittelt. Sie soll insbesondere das Risiko von EthnologInnen ermitteln, durch die Feldforschung an Hautkrebs, Tropenerkrankungen, Schädigung durch Umweltgifte und Unfälle, Traumatisierung und psychische Beeinträchtigung geschädigt oder getötet zu werden. Das Ergebnis soll Grundlage für eine Anerkennung von spezifischen Berufskrankheiten von Ethnologen bilden und zur künftigen Ermessung einer Risikozulage für ethnologische Forschungen dienen.

Veranstaltungshinweise

Mittwoch, 7.11., Mainz: „Psychoanalyse in der ethnologischen Methodologie.“

https://www.facebook.com/events/389070674968050/

Donnerstag, 8.11., Stuttgart: „Antirassismus – Notwendigkeit, Misere, Feindbild.“

Antirassismus – Notwendigkeit, Misere, Feindbild

Mittwoch, 21.11., Bamberg: „Okkulte Ökonomien: Hexereivorstellungen, Cargo-Kulte und der Antisemitismus.“

https://www.facebook.com/events/1479973422136329/

Donnerstag, 22.11., Berlin: „Antirassismus. Notwendigkeit, Misere, Feindbild.“

https://www.facebook.com/events/1996338160453685/

Freitag, 23.11., Pirna: „Psychologie des Antisemitismus.“
Samstag, 24.11., Pirna: „Psychologie des Djihadismus.“